Die dubiose Mittelschicht

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Pan meets Lilith
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Die dubiose Mittelschicht

Beitrag von Pan meets Lilith » 08 April 2010 19:34

Ein interessanter Artikel darüber, warum von der gesellschaftlichen "Mitte" Armen-Bashing betrieben wird, obwohl der gesamtwirtschaftliche Schaden durch Reiche (Erb-, Zins- und Spekulationsvermögen) entsteht.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 60,00.html

Wenn Lobbyisten Privilegien für die Reichen durchbringen wollen, dann müssen sie der Mittelschicht das Gefühl geben, dass diese ebenfalls zur Elite gehört.


Wusstet IHR, dass Einkommen über 18.000,- Eu / M. gar nicht statistisch (gesondert? Oder überhaupt?) erfasst werden?

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knipser
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Unglaublich!

Beitrag von knipser » 08 April 2010 20:57

Was????? Sie werden nicht statistisch erfasst????

Oh Gott, was soll ich denn jetzt nur tun??


Lass mich raten: Das haben Westerwelle und der Papst gemeinsam ausgeheckt um uns zu knechten, richtig?

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Pan meets Lilith
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Re: Unglaublich!

Beitrag von Pan meets Lilith » 08 April 2010 21:40

knipser44 hat geschrieben:Was????? Sie werden nicht statistisch erfasst????

Oh Gott, was soll ich denn jetzt nur tun??


Lass mich raten: Das haben Westerwelle und der Papst gemeinsam ausgeheckt um uns zu knechten, richtig?


Du findest dich witzig, nicht wahr? 8)

Tim007
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Beitrag von Tim007 » 09 April 2010 03:38

Knipsers Reaktion ist angemessen.

Warum?

Weil Pans Behauptungen, nett ausgedrückt, nicht sonderlich durchdacht sind.

Ich kenne unzählige Statistiken, in denen das Einkommen der Deutschen ermittelt wird. Erst unlängst gab es Vergleiche über regionale Unterschiede. Die bestverdienenden Deutschen leben m.W. am Starnberger See. Andere Statistiken präsentieren lang und breit, was in den jeweiligen Berufen verdient wird.

Weiter hat jetzt auch der Letzte hier mitbekommen, dass es Leute gibt, die für eine höhere Erbschaftssteuer sind. Ich finde diese Entwicklung fatal, auch wenn ich dadurch nicht betroffen wäre. Zumindest aber müssen sogar diese Neid-Debattierer einräumen, dass die Frage einer noch höheren Besteuerung nichts mit einem "gesamtwirtschaftlichen Schaden" zu tun hat. Was soll so ein Mist?

Von einem "gesamtwirtschaftlichen Schaden" kann man meinethalben sprechen, wenn von Arbeitsverweigerern wie ... Ihr wisst schon ... die Rede ist, oder von Schwarzarbeit oder von Steuerflüchtlinen. Aber nicht in diesem Zusammenhang, auch wenn es polemisch gerade gut in den Kram passt.

Mit Armen-Bashing hat es auch nichts zu tun, wenn die Überlegung angestellt wird, dass viele trotz schwerster Arbeit nicht über die Runden kommen (Ralf sprach mal von den Einommensverhältnissen auf dem Bau), während andere wahre Schnorrer-Weltmeister sind. (Ich kenne einige davon; wer das in Abrede stellt, hat keine Ahnung von den Realitäten).

Immerhin ist es eine Wohltat, das erste Mal seit Jahren nicht noch von den finsteren Machenschaften der von Pan nicht genehmen Personen wie Westerwelle oder den bösen Christen lesen zu müssen.

Muss man sich Sorgen machen, Pan?

Gruß
Tim

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Pan meets Lilith
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Beitrag von Pan meets Lilith » 09 April 2010 08:36

@tim:
Weiter hat jetzt auch der Letzte hier mitbekommen, dass es Leute gibt, die für eine höhere Erbschaftssteuer sind. Ich finde diese Entwicklung fatal, auch wenn ich dadurch nicht betroffen wäre. Zumindest aber müssen sogar diese Neid-Debattierer einräumen, dass die Frage einer noch höheren Besteuerung nichts mit einem "gesamtwirtschaftlichen Schaden" zu tun hat. Was soll so ein Mist?

Dass es kein "Mist" ist, erklärte ich. Erstens kann es da nur um Erbschaften ab einer zu definierenden großen Höhe gehen, zweitens könnte man eine der Zinseszinsformel entsprechende Progression einbauen (Exponentialfaktor). Drittens kann "Neid" als Sozialkorrektiv sehr sinnvoll sein. Viertens ist klar, dass er nur von unten nach oben, nicht umgekehrt erfolgen kann. Denn niemand wäre auf Elend, Hunger, eingeschränkte Möglichkeiten neidisch. Und DAS, was ein "einfacher Mensch" als Lebensglück haben könnte, würde ein machtorientierter Mensch sowieso nicht mentalitätsbedingt nachvollziehen können.

Fünftens - und das scheint mir am Wesentlichsten - geht es darum, eine PERVERTIERUNG des Leistungsbegriffs klarzustellen.
Erben IST KEINE LEISTUNG. So viel Ehrlichkeit muss JEDER von uns haben. Es ist keine Leistung, in Wohlstand zu leben, weil Papi ein ausgebuffter Geschäftsmann war.

Es ist verständlich, wenn man "sorgenfrei" leben möchte. Aber man muss dann so aufrichtig sein, das nicht Leistung (nicht im physischen, sondern im ethischen Sinne) zu nennen. Zum zweiten wäre da die Überlegung, inwiefern die eigene Sorgenfreiheit nur dadurch entstehen könnte, dass die Sorgen Dritter gemehrt werden. (Irgendwann käme die Thermodynamik ins Spiel).

Von einem "gesamtwirtschaftlichen Schaden" kann man meinethalben sprechen, wenn von Arbeitsverweigerern wie ... Ihr wisst schon ... die Rede ist, oder von Schwarzarbeit oder von Steuerflüchtlinen. Aber nicht in diesem Zusammenhang, auch wenn es polemisch gerade gut in den Kram passt.

Das scheint mir vom Grundsatz her richtig gedacht. Aber ich bezweifle, dass es von der VERHÄLTNISMÄßIGKEIT her richtig sein kann.
Ich würde auch Themen wie "Schwarzarbeit" und "Steuerflucht" in ihrer Wertigkeit unterscheiden wollen.
Schwarzarbeit habe den relativen volkswirtschaftlichen "Vorteil", dass überhaupt noch konkrete Werte entstünden (statt Illusionswerte -> siehe "Wachstum" des Geldes, ohne Kopplung an Realwirtschaft). Ihr Nachteil ist, dass das Problem der Sozialversicherung ignoriert wird (teils aus Not, teils aus Asozialität).
Steuerflucht - hat AUCH zwei unterschiedliche Qualitäten:
a) Misstrauen gegenüber dem abstrakten Gebilde Staat, es werde TATSÄCHLICH GELEISTETES wegnehmen.
b) Asozialität (Geiz und Egomanie der Reichen)

Ich würde in der WERTUNG also unterscheiden wollen, WIE das Geld ERWIRTSCHAFTET wurde.

Bitte Tim sei doch ehrlich! WAS - verdient eine Krankenschwester? Was - verdient ein "Investment-Banker"? Die Krankenschwester wird GANZ SICHER NICHT, unbehelligt wie der Manager durch das Schengen-Abkommen, die Grenzen mit dem Geldkoffer überqueren.
Bei der Krankenschwester, dem Müllmann, der Einzelhandelsverkäuferin ist ALLES DOKUMENTIERT, ERFASST. Und selbst, wenn es das NICHT wäre, würde sie / er das nicht tun. Ganz einfach: weil es sich nicht LOHNTE. Und weil mit Berufen auch bestimmte Mentalitäten und Charakterlichkeiten verbunden sind.

Mit Armen-Bashing hat es auch nichts zu tun, wenn die Überlegung angestellt wird, dass viele trotz schwerster Arbeit nicht über die Runden kommen (Ralf sprach mal von den Einommensverhältnissen auf dem Bau), während andere wahre Schnorrer-Weltmeister sind. (Ich kenne einige davon; wer das in Abrede stellt, hat keine Ahnung von den Realitäten).

Immerhin gut, dass du den Begriff "Realitäten" statt den Begriff "Wahrheit" nimmst! Für einen Christen ist das ein Fortschritt! ;-)
Was ist denn dein Schluss daraus, Tim? Dass es zwar schade ist, wie ungerecht die Welt ist - aber eben nicht zu ändern?

Immerhin ist es eine Wohltat, das erste Mal seit Jahren nicht noch von den finsteren Machenschaften der von Pan nicht genehmen Personen wie Westerwelle oder den bösen Christen lesen zu müssen.

Muss man sich Sorgen machen, Pan?

Nein, Tim. Zwischen den beiden Gruppen "Pseudomarktradikale" und "Religionsfundamentalisten" gibt es allenfalls bedingte Vergleichbarkeiten.

Westerwelle, als Vertreter und Sprecher der erstgenannten Gruppe, handelt mit Vorsatz. Der Typ hat von Kindheit an gelernt zu provozieren, um von eigener Unfähigkeit abzulenken. Er WEIß, dass er heiße Luft produziert.

"Böse" ist ein kindlich-wertender Begriff, den ICH nie verwenden würde. Christen sind nicht "böse". Geistig unzurechnungsfähig - würde, wollte man provozieren - besser passen. Sagen wir so: Es gibt ein augenscheinliches Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit, eine Neigung zum Illusionären. Christen, sofern nicht Amtschristen, sondern Basis-Schafe, haben ein absolutistisch-unterwürfiges Weltbild, aufgrund dessen sie sich gern Verantwortungen entziehen, immer mit dem entscheidenden Verweis auf eine (wie immer geartete) "höhere Instanz".
Und freilich machen sie sich (etwa gegenüber Muslimen) lächerlich, weil sie behaupten, einen Eingottglauben zu haben, faktisch jedoch einen Mehrgottglauben pflegen. Ihr historisch-diplomatisches Desaster, entstanden auf dem Konzil von Nizäa.

Ralf-abc

Beitrag von Ralf-abc » 09 April 2010 12:27

Unabhängig davon, dass der Spiegel-Artikel wohl sehr polarisierend geschrieben ist, finde ich, dass die Grundaussage es sehr wohl wert ist, dass man sich darüber Gedanken macht.
Ich empfinde die ganzen Sprüche der Politiker in den letzten Monaten durchaus so, dass von seiten der Politik gegen Arbeitslose und sozial Schwache aufgehetzt wird. Der Mittelständler soll hier zusammen mit den Vermögenden gegen die Sozial schwachen "zusammenhalten"

Dabei wird vom Mittelstand aber eines übersehen:
Selbst wenn es im Leben optimal läuft, wird es kaum ein Mittelständler schaffen, in die gesellsch. Kreise der wirklich mächtigen und vermögenden aufzusteigen. Wie schnell ist man aber heutzutage arbeitslos und dann innerhalb weniger Monate H4-Empfänger? Selbst unsere heldenhaften Selbstständigen wie Momme - die "falsche" Krankheit, infolge dessen Berufsunfähigkeit und das wars - H4-Empfänger ohne reeele Chance es jemals wieder nach oben zu schaffen.
Das System ist nach unten hin erheblich durchlässiger als nach oben und dass sollte man bei seinen Äußerungen über H4er nie vergessen.

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