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Streiflichter Nr..203 vom 03.07.2013

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regenmacher



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germany.gif
Streiflichter Nr..203 vom 03.07.2013

(1) Tag ohne "Klamotten"

Die Föderation der Naturisten Frankreichs (FFN), einer der größeren in der INF organisierten Interessenvertretungen, hat die, ursprünglich in Spanien entstandene Idee des „Tages ohne Badebekleidung“ auf französische Verhältnisse adaptiert.

Der dabei entstandene „Journée nationale sans maillot“ fiel in diesem Jahr auf den 30.05.2013. Er soll – durchaus vergleichbar mit seinem Vorbild – dazu dienen, auch an vielleicht bisher unüblichen, aber trotzdem geeigneten Orten Reklame für „das Nackte“ zu machen. Man kann das auch als Verschiebung von imaginären, aber leider gelegentlich auch sehr wirksamen Grenzen sehen.

Richtig beworben, wird dadurch bei so manchem, der zuvor einer Teilnahme an gemeinschaftlicher Nacktheit noch skeptisch gegenüberstand, eine Art „Selbstversuch“ initiiert werden können, aus dessen Ergebnis dann auch eine „Grenzverschiebung“ folgen kann.

Hier das Plakat, mit dem die FFN zu der „landesweiten“ Veranstaltung einlud :


http://www.apnel.fr/forum/img/2013/20130630jnsm.jpg

In der Tat hat es an den Stränden, etliche davon bisher nicht regelmäßig zur nackten Erholung genutzt, am vergangenen Sonntag bei idealem, sonnigem Wetter, einige Treffen gegeben.

Soweit – so gut.
Nur ... etwas fehlt da noch.

Richtig.
Das Nacktwandern.

Natürlich gab es zum „Tag ohne Badeanzug“ am vergangenen Sonntag auch wieder Nacktwanderungen, von denen ich die durch die „Randonneurs nus de Provence“, einem der drei eingetragenen Nacktwandervereine in Frankreich, hier als Beispiel nennen will.

Aber es geht noch nicht gleich los.
Am Anfang müssen alle noch ein bisschen warten :


http://www.blognaturiste.com/botanicus/public/Photos/JSM-2013/JSM_2013-3.jpg

Dann ist es soweit.
Die Nacktwanderung beginnt.

Na ja, eigentlich ist es mit kaum 3 km Länge eher ein Spaziergang, aber daher eben auch für Anfänger geeignet. In jedem Falle nutzt Jean Paul Guido, der das alles vorbereitet hatte, die Gelegenheit, für die eher sportlichen Veranstaltungen des vorgenannten Vereins zu werben, zu der natürlich auch Nichtmitglieder eingeladen sind.


http://www.blognaturiste.com/botanicus/public/Photos/JSM-2013/JSM_2013-6.jpg

Diese Mal war ein Journalist mit dabei, der mit Interesse den Erläuterungen der Teilnehmenden lauschte und sich auch immer wieder Notizen machte.

Marie erzähle ihm, dass sie sich jeden Tag, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt, gleich als erstes von ihrer Kleidung befreit.

Paule – ganz neu dabei - erwähnt, dass es sich beim „ersten Mal“ zwar etwas ungewohnt angefühlt habe, sich zu entkleiden, nun aber so etwas wie eine „innere Befreiung“ Platz gegriffen habe.

Isa berichtet, dass sie – nackt unter Nackten – zwar mehr physische Körperlichkeit in den anderen sehe, darüber aber auch viel mehr von deren Persönlichkeit wahrnehme, als es im bekleideten Zustand möglich wäre. Entgegen der landläufigen Meinung, sei – so Isa weiter – das Nacktwandern nicht als isolierte Idee zu sehen, sondern durchaus mit den FKK-Ferienzentren und den Vereinen kompatibel. Sie selbst sei ja auch schon über 3 Jahrzehnte dort dabei.

So geht das weiter ...

... und mündet schließlich in einem ganzseitigen, gestern, am 02.07.2013, in der „Var Martin“ erschienen Artikel :


http://www.blognaturiste.com/botanicus/public/Photos/JSM-2013/Nice_Matin_JSM_2013-06-30.jpg

Jean Paul Guido von den „Randonneurs nus de Provence“ und Roger Banchereau von der „Fédération française de Naturisme (FFN)“ können mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein.

Und ich will schnell zur nächsten Notiz springen, und mich für den weiteren Verlauf etwas sputen, denn gleich - am Ende diesen Streiflichts - habe ich wieder einmal einen „Knüller“ aus Frankreich.

Da wird es dann auch wieder ums Nacktwandern gehen.


(2) Beschilderte Atlantikküste

Vor einigen Streiflichter notierte ich hier über einen Erfolg der spanischen Naturisten. Es gelang, dem Gemeinderat von Arteixo im spanischen Galizien eine geplante Bestimmung „auszureden“, nach der der nackte Aufenthalt an den Stränden – mit Ausnahme dreier explizit genehmigter Bereiche – mit empfindlichen Strafen hätte belegt werden können.


http://media.lavozdegalicia.es/scale.php?i=/default/2013/07/01/0012_201307G1P5F2jpg/Foto/G1P5F2.jpg&w=465px

Das ist immerhin ein politischer Erfolg, der (noch bevor irgendwelche Gerichte bemüht werden mussten) eingefahren werden konnte. Eigentlich hatte ich hier vom Bürgermeister Fredi Bea eher erwartet, dass er und der Stadtrat – wenngleich besser Einsicht – eine gerichtliche Klärung abwarten würden, um dann gegenüber den Nacktbadegegnern, die es dort natürlich auch gibt, das Urteil als Begründung für die Zurücknahme der zuvor noch geplanten Verbotsverordnung zu verwenden. Das ist also das, vermutlich auch dort im politischen Alltag häufig anzutreffende „Wir würden es ja gerne verbieten, aber die Gerichte haben es uns leider, leider verboten“-Praxis. Noch ein lustiges Detail: Die nicht sonderlich große Gemeinde Arteixo ist Sitz eines bekannten Textilunternehmens, was den Diskussionen um die Nacktbadestrände eine zusätzliche, heitere Note gibt.

Jedenfalls war einem, vorgestern in der „La Voz de Galicia“ erschienen Artikel zu entnehmen, dass die Sache inzwischen wohl endgültig in „trockenen Tüchern“ ist, so dass die Gemeinde folgerichtig erklärt, auf das Aufstellen von Verbotstafeln am Strand zu verzichten.

Nun gibt es da allerdings noch ein Problem.

Die Stadt legt Wert darauf, dass die Hinweisschilder zu den traditionellen FKK-Bereichen (z.B. „Playa de Combouzas“ ) weiterhin bestehen bleiben, wodurch natürlich die latente Gefahr besteht, dass die Beschilderung von „einfach gestrickten“ Strandgästen nicht als allgemeiner Hinweis verstanden, sondern dass daraus die irrige Meinung abgeleitet wird, in anderen Bereichen sei der nackte Aufenthalt unzulässig.

Gestern war daher in einem weiteren Beitrag der besagten „La Voz de Galicia“ (ungefähr: „Stimme Galiciens“ ) zu lesen, dass die „Federación Española de Naturismo (FEN)“, vertreten durch Ismael Rodrigo, nunmehr die städtischen Behörden auffordert, ihrer Friedenspflicht nachzukommen und die Bürger darüber zu informieren, dass dem nicht so ist.

Aber ob es wirklich eine gute Idee ist, zu fordern, die Hinweisschilder zu den traditionell als Nacktbadestrände genutzten Strandabschnitten, ganz zu entfernen ??

Vielleicht hilft da auch eine geschickte Neu-Formulioerung des aufgedruckten Textes.


(3) Signale aus anderen Zeiten

Vollkommen ungeplant, und selbst für mich überraschend, fiel mir im Rahmen der gegenwärtig in Portugal - hier nicht näher zu nennenden Personen - befeuerten Diskussion über die „nackte Sache“ gestern ein Artikel der aktuellen „Expresso XL“ in die Hände. Die dort vielbeachtet, Anfang diesen Jahres 40 Jahre alt gewordene und im Stil ganz grob mit der hiesigen „DIE ZEIT“ vergleichbare Wochenzeitung betitelte ihren Beitrag mit „Naturismo, uma filosofia revolucionária“ („Naturismus, eine revolutionäre Philosophie").

Das macht neugierig.

Tatsächlich geht es darin hauptsächlich um die geschichtlichen Grundlagen, die uns aus heutiger Sicht manchmal konfus aber fast immer sehr „sektierisch“ erscheinen mögen, aber in damaliger Zeit sicherlich einen Beitag – inklusive aller Fehlentwicklungen – leisteten.

Und weil auch die deutsche Geschichte des Nacktseins darin vorkommt, will ich hier einen kleine Notiz dazu einschieben.

Gleich in den ersten Zeilen des Artikels, der teilweise auch im Internet zugänglich ist, wird von einem FKK-Gelände berichtet, das zu wilhelminischen Zeiten im Jahre 1903 in der Nähe von Klingberg, einem Dörfchen nahe Lübeck, begründet wurde. Es soll hierzulande das erste FKK-Gelände gewesen sein. Nach meinem bisherigen Wissen hat es den ersten FKK-Verein in Essen gegeben.

Bebildert ist die Meldung vom schleswig-holsteinischen Klingberg mit folgendem, alten Foto:


http://expresso.sapo.pt/imv/1/899/195/corbis-be033435-9bb4.gif

Aber ob das wirklich aus der Zeit des beginnenden Jahrhunderts und/oder vom Klingenberger FKK-Gelände ist ? Nach anderen Angaben soll das Gelände ja auch erst 1923 eingerichtet worden sein ?

Wer weiß Bescheid ?

Obwohl ich – nur der Teufel weiß, wie das entstanden ist – in DFK-Kreisen den Ruf habe, mich für historische Sachen zu interessieren, weiß ich es nicht. Aber eins ist gewiss: „Übersetzungen“ von einer vergangenen in die jetzige Zeit sind mindestens ebenso so schwierig wie Übersetzungen vom „Chinesischen“ ins „Hebräische“. Da bleibe ich doch lieber bei anekdotenhaften, vielleicht nicht unbedingt dem tieferen Verständnis, dafür aber wenigstens der Unterhaltung dienenden Notizen.

Trotzdem scheint Geschichte – hier natürlich die nackte Geschichte – wieder modern zu werden. Erst kürzlich erhielt ich Post aus DFK-Kreisen, in der ich darauf hingewiesen wurde, dass das Thema in der Reihe „ZEIT Geschichte“ behandelt und durch weitere Beiträge auch in den historischen Kontext gestellt wird. Michaela schrieb, dass sogar das Titelbild mit einer Aufnahme vom Motzener See bei Berlin geschmückt sei, und – wörtlich – „wir“ jetzt also auch bei der „DIE ZEIT“ vorkommen.

Mich brachte es dazu, eilends zum Zeitungskiosk (neben Edeka, Bad Breisig) zu eilen, um mir das erste, mit „Anders Leben“ betitelte Heft der dreiteiligen Reihe zu besorgen, eh es ausverkauft ist. Es hat sich gelohnt.

Trotzdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob wir die damaligen Ideen wirklich verstehen können.

Nebenbei :
Liebe Michaela, „wir“ kamen in der „DIE ZEIT“ schon einmal vor. Es ist erst wenige Jahre her. Wenn man die Bilder, die im Netz aber nicht veröffentlicht sind, mit hinzuzählt, wurde damals von eben jener „DIE ZEIT“ auf immerhin 1,5 großformatigen Seiten (Für die Fachleute: „Nordisches Format“) über eine von mir hier „hinter dem Dorf“ vor rund 7 Jahren organisierte Nacktwanderung berichtet.

Wie mag in z.B. hundert Jahren ein Student der Geschichte darüber denken, der die heutigen Nacktwanderungen anhand der Veröffentlichungen z.B in „DIE ZEIT“, „FAZ“, „Bild“ bzw. entsprechende TV-Beiträge in einer Hausarbeit einzuschätzen hat ?


(4) Nacktes Jazz-Festival bei London

Kürzlich notierte ich hier vom NakedHeart-Projekt, an dem sich die Besucher einschlägiger, überwiegend von jugendlichem Publikum frequentierter Musikfestivals beteiligen können.

Dazu passt eine aktuelle Notiz vom vergangenen Wochenende:

Süd-westlich von London trafen sich die Jazz-Begeisterten (überwiegend älteren Semesters) zu einer mehrtägigen Veranstaltung, um sich gemeinsam von der Live-Musik bekannter Künstler bewegen zu lassen. Das inzwischen in „Fachkreisen“ wohlbekannte, heuer zum sechsten Mal organisierte Festival (es ist das größte „outdoor“-Jazzfestival Englands) wird von der „The Naturist Foundation“ organisiert.


http://www.naturistfoundation.org/jazz_festival/images/jazz-fest-banner-2013.png

Mitglieder und Besucher waren willkommen und jeder war eingeladen, die Musik ohne hinderliche Kleidung zu genießen, was auch möglich war, denn es herrschten mit fast durchgehend über 20 Grad - zumindest für englische Verhältnisse - sommerliche Temperaturen.

Das inzwischen auf 4 Tage angewachsene Festival bot am Donnerstag den jungen Jazz-Künstlern Yazz Ahmed, Kieren Stickle McLeod und Jack Davies Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen.

Aber auch so gewichtige Größen wie Peter King, wohl der beste Alto-Saxophonist Englands, Frank Griffith und Jean Toussaint aus den USA, Vasilis Xenopoulos aus Griechenland und ... und ... standen auf dem Programm.

Übrigens: Im Festzelt wurde auch eine reichliche Auswahl an Getränken und Speisen zu zivilen Preisen angeboten. Das hatte schon etwas von Volksfest.

Fassen wir es in kurze Worte:
Nackt und Jazz – das passt zusammen.

Und wenn zu der Musik dann auch noch das malerische Talent von Henry Yuen hinzukommt, dessen werbendes Plakat (für eine vom „Lake Associates Recreation Club (LARC)“ vor über einem Jahrzehnt in Washington organisierte Jazz-Veranstaltung ähnlicher Art ) ich hier jetzt zitiere,


http://www.naturistaction.org/Yuen/jazz_99.jpg
(Henry Yuen, 28 x 35 cm Siebdruck)

dann ist die Welt in Ordnung.

Nebenbei :
Das Nackte Jazz-Festival bei London kam, wie vieles Andere, inzwischen fast zum Normalprogramm Gehörende, in dem frühen, inzwischen 2 Jahre zurückliegenden Streiflichtern schon einmal vor. Vom „Nackten Jazz“ wurde beispielsweise bereits im Streiflicht Nr. 21.4 geschrieben.


(5) Staatsanwalt fordert Freispruch für Nacktwander

Zu Beginn dieser Woche ergab sich ein wichtiger juristischer Termin in Périgueux, einem Ort im Süd-Westen Frankreichs.

Was war passiert ?

Der 51-jährige Lehrer Alain aus Frankreich, welcher schon über einen längeren Zeitraum in ausgesucht einsamen Gegenden das Nacktwandern pflegt, wurde anlässlich einer solchen Nacktwanderung in den Wäldern bei Roche-Chalais von den Behörden beschuldigt, gegen den § 222-32 des französischen Strafgesetzbuches verstoßen zu haben. Er lehnte die Zahlung einer Strafe ab – auch weil dies mit einem „comparution sur reconnaissance préalable de culpabilité (CRPC)“, einer Art „Schuldbekenntnis“, verbunden gewesen wäre.

So landete die Sache am vergangenen Montag, den 01.07.2013 nun bei Gericht.

Glücklicherweise wurde er von einem der ihn vernehmenden Polizisten auf die „Association pour la promotion du naturisme en liberté (APNEL)“ hingewiesen, die seinen Fall nun als eine Art „Präzedenzfall“ vor den Gerichten begleiten will.

Der APNEL geht es dabei darum, gerichtlich feststellen zu lassen, dass die naturistischen Aktivitäten (so genannte einfache Nacktheit wie z.B. Nacktwandern) nicht von den natürlich auch in Frankreich existierenden, sexualstrafrechtliche Bestimmungen, deren Sinnhaftigkeit im Übrigen von der APNEL nicht abgestritten werden, betroffen sind.

Wie wird es ausgehen ?

Immerhin ist es schon ein gutes Zeichen, dass hier nicht nur die juristische Vertretung des Nacktwanderers, Herr Tewfik Bouzenoune, sondern neuerdings auch die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Yves Squercionia, für den Nacktwanderen einen Freispruch fordern.

Mit einem ersten Entscheid in dieser Sache ist nicht vor dem 11. September diesen Jahres zu rechnen.

Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass es letzten Endes zu einem Beschluss des Verfassungsgerichtes kommt, mit dem der § 222-32 als zu unbestimmt und damit nicht mit der französischen Verfassung vereinbar (in kurz: als verfassungswidrig) erklärt und mit sofortiger Wirkung „einkassiert“ wird. Vor einem guten Jahr (genauer: am Freitag, den 04.05.2012 ist das - begleitet von allerlei Eilmeldungen und überaus lautem Presseecho - mit dem „Nachbarparagraphen“ § 222-33 passiert. Das Gericht ließ dem Gesetzgeber damals nicht einmal Zeit, den Mangel in angemessener Frist durch verbesserte Gesetze „zu heilen“, was auch in Frankreich etwas heißen will und durchaus als – hierzulande würde man schreiben - „schallende Ohrfeige des Verfassungsgerichtes an den Gesetzgeber“ verstanden werden muss.

Im aktuellen Fall könnte das oberste Verfassungsgericht, das derzeit aber noch nicht mit der Sache befasst ist, also von seinem eigenen, noch druckfrischen Beschluss abschreiben.

Es gibt ein kleines Video, das den Nacktwanderer im Kreise der Apnel, und am Verhandlungstag vor dem Gerichtsgebäude zeigt :


http://api.dmcloud.net/player/pubpage/4f3d114d94a6f66945000325/51d1dc2c9473990eaa0000dc/762f2f7baddf46d8a8f2d034b0d203bd?wmode=transparent&autoplay=1

Darin erläutert Silvie Fasol, die Präsidentin besagter APNEL, die Ziele des Verfahrens.

Auch auf dem Video zum Gerichtstermin:

Christian, der Gründer der Apnel und der inzwischen betagte, aber immer noch aktiv in den Bergen Neuseelands nacktwandernde Doug Ball, der offensichtlich auch in diesem Jahr wieder in Frankreich „überwintert“.

Schluss für Heute.


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

Hier geht es zum letzten Streiflicht:
http://www.fkk-freun.de/viewtopic.php?t=28623

Und wer jetzt immer noch nicht genug hat:
Hier geht es zu den anderen Streiflichtern - „gesammelt und gebunden“:
http://www.fkk-freun.de/viewtopic.php?t=19187

Und hier:
http://www.sauna-jugendforum.de/viewtopic.php?f=69&t=126&start=200

Und hier auch:
http://www.fsg-lev.de/aktuelles.html
.

Beitrag 03 Juli 2013 13:51 
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Seestern
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Hallo Michael,

Ich war in dem Essener Verein ca. 3 Jahre Mitglied.

Auf der jetzigen Homepage lese ich das es ein Jubiläum gibt.

120 Jahre Bestehen des Vereines.

Rückwärts gerechnet ist das Gründungsjahr 1893.

Ob es einen noch älteren Verein gibt, weis ich nicht.

Mit schönen Grüssen

Bernd

Beitrag 03 Juli 2013 20:00 
 
 
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Puistola



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Re: Streiflichter Nr. 203 - (5) Staatsanwalt fordert Freispruch für Nacktwander

regenmacher hat folgendes geschrieben::

Der 51-jährige Lehrer Alain aus Frankreich, welcher schon über einen längeren Zeitraum in ausgesucht einsamen Gegenden das Nacktwandern pflegt, wurde anlässlich einer solchen Nacktwanderung in den Wäldern bei Roche-Chalais von den Behörden beschuldigt, gegen den § 222-32 des französischen Strafgesetzbuches verstoßen zu haben.
...

Der APNEL geht es dabei darum, gerichtlich feststellen zu lassen, dass die naturistischen Aktivitäten (so genannte einfache Nacktheit wie z.B. Nacktwandern) nicht von den natürlich auch in Frankreich existierenden, sexualstrafrechtliche Bestimmungen, deren Sinnhaftigkeit im Übrigen von der APNEL nicht abgestritten werden, betroffen sind.

Wie wird es ausgehen ?

Immerhin ist es schon ein gutes Zeichen, dass hier nicht nur die juristische Vertretung des Nacktwanderers, Herr Tewfik Bouzenoune, sondern neuerdings auch die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Yves Squercionia, für den Nacktwanderen einen Freispruch fordern.


Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass es letzten Endes zu einem Beschluss des Verfassungsgerichtes kommt, mit dem der § 222-32 als zu unbestimmt und damit nicht mit der französischen Verfassung vereinbar (in kurz: als verfassungswidrig) erklärt und mit sofortiger Wirkung „einkassiert“ wird.


Wovon die Rede ist:
Zitat:
Code Pénal
Art. 222-32
L'exhibition sexuelle imposée à la vue d'autrui dans un lieu accessible aux regards du public est punie d'un an d'emprisonnement et de 100 000 F d'amende.

Art. 222-32
Die sexuelle Exhibition wird, wenn sie den Blicken anderer an einem von der Öffentlichkeit einsehbaren Ort aufgedrängt wird, mit einem Jahr Gefängnis und 100.000 FF Geldstrafe bestraft.


Das Bussgeld wurde wegen "exhibition sexuelle" verhängt, eben diesem Art. 222-32.
Im Video stellt der Procureur (Staatsanwalt) mit Verve fest, dass die Kleidungslosigkeit im Fall Bouzenoune überhaupt nicht mit diesem 1994 novellierten Artikel in Verbindung gebracht werden könne. Dem Gericht werden also zwei gleichlautende Anträge vorliegen. Hierzulande würde der Staatsanwalt die Sache einstellen oder überhaupt nicht darauf eintreten (Nichteintretensverfügung). In Frankreich scheint das nicht möglich. Dem Gericht bleibt aber wenig anderes übrig, als beiden Seiten Recht zu geben, womit ein Weiterzug bis zum Verfassungsgericht äusserst unwahrscheinlich ist. Aber immerhin, ein Präjudiz zum Vorzeigen wird geschaffen.

Der Artikel 222-32 ist, im Gegensatz zum OWiG §118, durchaus nicht als "Unbestimmt" zu qualifizieren, aber die bisherige Praxis, die Nichtbedeckung von Geschlechtsteilen als passive Begehung zu qualifizieren, ist unhaltbar. Damit versuchten Staatsanwälte und Richter den alten Tatbestand des "outrage public à la pudeur" also das "offentlich Verletzen der Schamhaftigkeit" analog "Erregen öffentlichen Ärgernisses" in den neuformulierten Tatbestand hinüberzuretten.

Dem soll nun ein Ende gesetzt werden.
Ebenso hoffentlich der Lüge von naturisme.fr, die behaupten, nur in ihren Einrichtungen sei man frei von Strafverfolgung (So ähnlich wie der Kurt Obernackig immer noch an der Nazi-Nacktbadeordnung festhält).
http://www.naturisme.fr/hat-man-das-recht-uberall-nackt-zu-sein--p1236291.html


Danke Regenmacher für diesen äusserst erfreulichen Bericht!

Puistola



http://fr.wikipedia.org/wiki/Exhibition_sexuelle

Beitrag 03 Juli 2013 20:17 
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Calcit






Anmeldungsdatum: 27.04.2007
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Freispruch für französischen Nacktwanderer

Zu "Streiflichter Nr..203 vom 03.07.2013, (5) Staatsanwalt fordert Freispruch für Nacktwander[er]"

Wie erhofft kam es gestern, 20130911, vor dem Gericht von Perigeux zum Freispruch des nacktwandernden Lehrers, da er nicht als "Zeigefreudiger" eingestuft wurde. Er war von einer Frau mit Enkel letzten Februar angezeigt worden, die sein Autonummernschild an die Polizei gemeldet hatte und sich ihm aus der Ferne absichtlich genähert hatte, um zu klären ob er wirklich nackt war. Die vom Kläger und seinem Anwalt angestrebte, schon lange ausstehende grundsätzliche Unterscheidung zwischen "einfacher Nacktheit" und "Exhi" wurde aber vom Gericht nicht getroffen da es das Thema nicht ans Verfassungsgericht weitergeleitet hat damit dieses endlich klärt ob Code Pénal Art. 222-32 verfassungswidrig ist. Insofern ist der Ausgang zwar ein Erfolg für diesen Wanderer, aber nicht der auch von der Apnel, die ihn finanziell unterstütze, angestrebte große Durchbruch für die rechtliche Absicherung anderer nichteingezäunter Nackter in Frankreich, die weiterhin mit diesem Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch belästigt werden können:
Le Monde, 20130911, hat folgendes geschrieben::
Le Conseil constitutionnel ne se penchera pas sur l'exhibition sexuelle
Qu'est-ce qui distingue un naturiste d'un exhibitionniste? ... la décision rendue mercredi 11 septembre par le tribunal de Périgueux n'aura pas permis de faire avancer la question. ... "L'Apnel m'a expliqué que mon cas était idéal pour déposer une question prioritaire de constitutionnalité (QPC)." Cette procédure permet de demander au Conseil constitutionnel de vérifier qu'une loi est conforme à la Constitution. Lors du procès, le 1er juillet, son avocat, Me Tewfik Bouzenoune, a donc déposé une QPC qui repose sur le fait que l'article 222-32 du code pénal ne définit pas l'exhibition sexuelle. Une demande à laquelle le procureur avait répondu que la loi était "très claire" sur le sujet ...
http://www.lemonde.fr/societe/article/2013/09/11/l-exhibition-sexuelle-bientot-au-conseil-constitutionnel_3475525_3224.html

ouest-france, 20130911, hat folgendes geschrieben::
Naturisme. Le promeneur nu relaxé par le tribunal
Le tribunal de grande instance de Périgueux a relaxé, mardi, un homme de 52 ans poursuivi pour exhibition sexuelle après s’être promené nu dans des bois en Dordogne. Ce randonneur nu défendait son droit au naturisme discret.
http://www.ouest-france.fr/ofdernmin_-Naturisme.-Le-promeneur-nu-relaxe-par-le-tribunal_6346-2227718-fils-tous_filDMA.Htm

ouest-france, 20130912, hat folgendes geschrieben::
Relaxé, le randonneur nu espère que son procès "fera progresser les libertés"
C’est une petite victoire dans le milieu du naturisme, mais la bataille est encore loin d’être gagnée. ... ce « procès de la randonnée naturiste » devait être l’occasion pour l’avocat du prévenu, Me Tewfik Bouzenoune, du barreau de Paris, et l’Association pour la promotion du naturisme en liberté (Apnel) de faire clarifier l’article de loi qui concerne l’exhibition sexuelle en posant une question prioritaire de constitutionnalité (QPC). Le tribunal, mercredi, a estimé qu’il n’y avait pas matière à soulever cette QPC. ... Me Bouzenoune[:] « D’une manière générale, la QPC aurait permis de régler une fois pour toutes la question de l’exhibition sexuelle, qui a une définition trop large. Cette décision dit du moins que la nudité n’est pas suffisante.» ... Du côté de l’Apnel, on regrette un peu que la QPC n’ait pas été retenue. « On se confrontera au même vide juridique dans d’autres tribunaux en France dans les mois ou les années à venir. Un autre promeneur, seul, pourra se retrouver dans la même situation », détaille Sylvie Fasol, de l’Apnel.
http://www.sudouest.fr/2013/09/12/le-naturiste-relaxe-1166017-1884.php

Zum Ausgang dieser Wanderung bei La Roche-Chalais, ca. N45.152, E00.008 , ca. 60km NE von Bordeaux, gibt es auch einige ausländische Zeitungsberichte:
The Telegraph, 20130911, hat folgendes geschrieben::
Victory for French naturists as naked rambler scores court victory
The 52-year old rambler, known only as Alain, had faced up to one year in prison, a 15,000-euro (£12,600) fine and seeing his name added to the sex offenders list after a woman took offence at his naked stroll. ... The accused's lawyer, Tewfik Bouzenoune, hailed the judgment as a victory for naturists everywhere. "The court has made a distinction between sexual exhibitionism and naturism," he said. ... The court, however rejected a request by the man's lawyers for the case to be referred to France's highest court to better define the legal definition of public nudity and sexual exhibitionism – a demand among naturist organisations in several European states.
http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/france/10302530/Victory-for-French-naturists-as-naked-rambler-scores-court-victory.html

The Local, 20130911, hat folgendes geschrieben::
French court frees naked hiker in landmark case
Naturists in France were celebrating on Wednesday after a court freed a naked hiker, who had been charged with indecent exposure after bumping into a [grand?]mother and her [grand?]son on a nude stroll through the woods. ... The accused's lawyer, Tewfik Bouzenoune, hailed the judgement as a victory for naturists everywhere. "The court has made a distinction between sexual exhibitionism and naturism," he said. "This was not about naked rambling, it is about people practising naturism with precautions. ...". The charges against the man were brought after a complaint in February by a female walker who spotted the unclothed man from a distance and then, accompanied by her grandson, approached him to make sure he really was naked. Jacques Freeman from the naturist association, APNEL (Association pour le promotion du naturisme en liberté) told The Local on Wednesday that the verdict will persuade other wrongly accused nudists not[?] to fight for justice through the courts. "The verdict is really important because at the moment naturists who are arrested simply plead guilty and pay the €300 fine because they cannot afford to go to court. But the court's ruling means that a naked hiker can only be arrested if there is proof they were intentionally provocative."
http://m.thelocal.fr/20130911/court-frees-naked-hiker-in-landmark-case

The Local, 20130710, hat folgendes geschrieben::
'Nudists are criminalized just for getting naked'
... a French nudist-rights organization tells The Local why an urgent change in the law is needed to protect them [the nudists] from being seen as sex offenders. ... APNEL’s Jacques Freeman tells The Local why their cause is important to the French economy and why naturists should be able to get naked wherever they want. ... “If you get stopped by the police in France for having no clothes on, you can either admit to indecent exposure and pay a €300 fine or refuse to and end up in court. If you are found guilty you could end up with a €15,000 fine and a year in prison. You will also be placed on the sex offenders list, which means if you are a teacher, you will lose your job. Naturists are being criminalized in France but being naked is not a crime. If you punch an old lady you can get a year in prison and you can get the same sentence just for taking your clothes off. It’s not right. Our group is now advising people to go to court and we will give them financial help to fight the charges against them because the law needs clarifying. If we get a court to send a case to the appeal court, and if judges agree with us, then the law will be scrapped and parliament will have to rewrite a new one. Ideally there would be a new law, like there is in Spain where people are not simply punished for being naked. ..."
http://www.thelocal.fr/20130710/we-should-be-able-to-get-naked-anywhere-in-france

Hessisch Niedersächsische Allgemeine, 20130911, hat folgendes geschrieben::
Nacktwanderer entgeht Verurteilung
Ein Gericht in der südwestfranzösischen Stadt Périgueux sprach den 52-Jährigen frei, wie am Mittwoch aus Justizkreisen verlautete. Auch die Staatsanwaltschaft hatte einen Freispruch gefordert und zur Begründung angeführt, die "Absicht" des Exhibitionismus könne dem Mann nicht nachgewiesen werden - zumal er sich verletzt hatte, als er sich beim Herannahen einer Spaziergängerin in Büschen versteckte. ... In Frankreich stehen auf Exhibitionismus bis zu ein Jahr Haft und 15.000 Euro Strafe.
http://www.hna.de/nachrichten/panorama/prigueux-nacktwanderer-entgeht-verurteilung-zr-3106379.html

Siehe auch:
http://www.apnel.fr/actu/index.php?2013/07/15/82-tribunal-de-perigueux-proces-d-un-randonneur-naturiste

Beitrag 12 September 2013 17:46 
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Puistola



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Grosteske um Freispruch

Calcit hat folgendes geschrieben::
Die vom Kläger und seinem Anwalt angestrebte, schon lange ausstehende grundsätzliche Unterscheidung zwischen "einfacher Nacktheit" und "Exhi" wurde aber vom Gericht nicht getroffen da es das Thema nicht ans Verfassungsgericht weitergeleitet hat damit dieses endlich klärt ob Code Pénal Art. 222-32 verfassungswidrig ist.


Zitat:
Code Penal Article 222-32

L'exhibition sexuelle imposée à la vue d'autrui dans un lieu accessible aux regards du public est punie d'un an d'emprisonnement et de 15000 euros d'amende.


Ob Art. 222-32 hinreichend bestimmt sei, um Exhibitionisten zu bestrafen oder nicht,
kann der APNEL in Hinblick auf ihre eigenen Fragen zur Nacktheit reichlich egal sein.
Das sollen die Exhibitionisten auskäsen.
Weder für das Gericht, noch für die Staatsanwaltschaft bestand die geringste Veranlassung,
den Artikel weiter zu prüfen, da er ohnehin nicht auf das Nacktsein an Sich angewendet werden kann.
Da hätte man genauso eine Verurteilung nach Betrugs-, Mord- oder Nötigungs-§§ anstreben können.
Das Ergebnis wäre das gleiche gewesen:
Freispruch.

Unverständlich ist, warum es bei dieser Ausgangslage überhaupt zum zweitinstanzlichen Prozess kam.
Wenn ich richtig verstehe, hätte Anwalt Bouzenoune einen Schuldspruch provozieren wollen,
um hernach vollkommen unnötigerweise den Art. 222-32 vor dem Verfassungsgericht
angreifen zu können.

Das wäre in etwa, wie wenn ein Nacktwanderer in D oder CH eine Verurteilung wg. Exhi anstreben würde,
um hernach vor dem Bundesgericht oder Bundesverfassungsgericht behaupten zu können,
das Wort Exhibitionismus sei nicht ausreichend bestimmt, um ihm damit das sexuell motivierte Vorzeigen
seiner Geschlechtsteile zu verbieten, was er im übrigen überhaupt nicht getan habe.

Das ist schlicht und einfach grotesk.

Zu feiern ist hingegen, dass ein höheres Gericht den Unterschied zuwischen sexueller Exhibition
und dem Zustand der Nacktheit erkennt; Dies zudem auf Antrag der Staatsanwaltschaft.
Man ist also in etwa gleich weit wie hier in der Schweiz oder auch in Deutschland,
wo die meisten Staatsanwälte und Gerichte den nackten Wanderern von Vornherein zugestehen,
dass sie keine sexuellen Motive haben (Ein Sonderfall ist jener Depp, der Lila als Schlimmmling einstuft,
weil er nicht nur seinen Schniedel gezeigt habe, sondern darüberhinaus in Latex gekleidet war).

APNEL sucht also ein Obergericht, das einen Nackten verurteilt,
um dann den Artikel vor dem Verfassungsgericht zu demontieren.
Das ist grotesk, zumal sich ja nicht mal mehr ein Staatsanwalt fand, der auf schuldig plädierte.


Mit dem Urteil ist in Frankreich erreicht, was schon lange erreicht werden musste:
Die klare Unterscheidung zwischen "einfachem" Nacktsein und sexuell motivierten Zeige-Handlungen.

Puistola


Achja, "Die Welt" hat auch kurz berichtet, ohne die juristischen Feinheiten zu rapportieren:
http://www.welt.de/newsticker/news2/article119924014/Nacktwanderer-entgeht-Verurteilung-wegen-Exhibitionismus.html

frecht

Beitrag 12 September 2013 18:55 
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Calcit






Anmeldungsdatum: 27.04.2007
Beiträge: 1342



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@Puistola: Ich hätte das Folgende sorgfältiger formulieren sollen:
Calcit, 20130912, hat folgendes geschrieben::
... da es das Thema nicht ans Verfassungsgericht weitergeleitet hat damit dieses endlich klärt ob Code Pénal Art. 222-32 verfassungswidrig ist.
Unklarheit vermeidend wäre gewesen: ... da es das Thema nicht ans Verfassungsgericht weitergeleitet hat damit dieses endlich klärt ob die Anwendung des Code Pénal Art. 222-32 auf einfache Nacktheit verfassungswidrig ist.

So habe ich den Eindruck, daß ich Dich anscheinend auf eine falsche Argumentationsschiene gelenkt habe. Es geht nicht darum, daß dieser Paragraph des französischen Strafgesetzbuches als verfassungswidrig erklärt werden soll mit nachfolgender Abschaffung (so wie ein Forumskünstler es gerne hätte u.a. beim entsprechenden deutschen Paragraphen), es geht darum, daß der Artikel in der Praxis immer wieder auf "einfache Nacktheit" angewendet wird, weil der Begriff "exhibition sexuelle" bisher nicht klar definiert ist und bei dieser Unbestimmtheit alles Mögliche in einen Sack gestopft werden kann, angefangen von provozierenden Zeigern auf der Champs-Élysées über harmlose Nacktbader bis zu Badehosenwechslern am Strand, denen das Umziehhandtuch vom Wind geringfügig ungeplant verschoben wurde. Sicherlich ist es erfreulich, daß ein Gericht jetzt entschieden hat, daß die "einfache Nacktheit", besonders wenn sie so zurückhaltend ist wie im beurteilten Fall, nicht unter den Paragraphen 222-32 fällt, aber es gibt noch viele andere Gerichte in Frankreich, die sich nicht an die Entscheidung dieses einen Gerichtes halten müssen, und damit geht das Theater immer wieder von neuem los, so wie die nicht unbekannte Sylvie Fasol erwähnt:
Calcit, 20130912, hat folgendes geschrieben::
sudouest [vorher falsch: ouest-france], 20130912, hat folgendes geschrieben::
« On se confrontera au même vide juridique dans d’autres tribunaux en France dans les mois ou les années à venir. Un autre promeneur, seul, pourra se retrouver dans la même situation », détaille Sylvie Fasol, de l’Apnel.
http://www.sudouest.fr/2013/09/12/le-naturiste-relaxe-1166017-1884.php
Da es nicht englisch ist, hier ein Übersetzungsversuch: Man steht vor der gleichen juristischen Lücke vor anderen französischen Gerichten in künftigen Monaten oder Jahren. Ein anderer Wanderer, allein, kann sich in derselben Lage wiederfinden, erläutert Sylvie Fasol von Apnel.

Puistola, 20130912, hat folgendes geschrieben::
Weder für das Gericht, noch für die Staatsanwaltschaft bestand die geringste Veranlassung, den Artikel weiter zu prüfen, da er ohnehin nicht auf das Nacktsein an Sich angewendet werden kann.
Widerspruch meinerseits: "Wir" meinen, daß der Artikel nicht angewendet werden kann, der Justizapparat, abgesehen von diesem einen Gericht, geht bisher vom Gegenteil aus und wendet den Paragraphen an. Deshalb sollte das Verfassungsgericht herangezogen werden um zu klären, welche diese widersprüchlichen Sichtweisen künftig rechtsgültig ist, so daß man das Rad zu diesem Thema nicht immer wieder neu erfinden muß.

Puistola, 20130912, hat folgendes geschrieben::
Wenn ich richtig verstehe, hätte Anwalt Bouzenoune einen Schuldspruch [wegen "exhibition sexuelle"] provozieren wollen, um hernach vollkommen unnötigerweise den Art. 222-32 vor dem Verfassungsgericht angreifen zu können. ... Das ist schlicht und einfach grotesk.
Da, finde ich, bist Du auf der falschen Schiene gelandet: Auch ohne Schuldspruch hätte man die in der Rechtspraxis sich bemerkbar machende Unbestimmtheit des Begriffes "exhibition sexuelle" angreifen können, der Beschuldigte wurde zwar nicht mit einer Strafe (1 Jahr Gefängnis, 15 KEuro), aber mit den Lästigkeiten dieses Prozesses bestraft, so daß er ein berechtigtes Interesse hat, daß die Rechtmäßigkeit seiner Belästigung geklärt wird. Ich glaube, daß weder der Wanderer noch sein Anwalt die Absicht hatten, den Code Pénal Art. 222-32 abzuschaffen oder auch nur anzugreifen, sie wollten seine Nichtanwendbarkeit bei "einfacher Nacktheit" von höchster Stelle bestätigt bekommen damit künftig Ruhe ist bei diesem Thema.

Beitrag 12 September 2013 23:55 
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Puistola



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Die Sache ist gewonnen

Calcit hat folgendes geschrieben::

Puistola, 20130912, hat folgendes geschrieben::
... Das ist schlicht und einfach grotesk.
Da, finde ich, bist Du auf der falschen Schiene gelandet: Auch ohne Schuldspruch hätte man die in der Rechtspraxis sich bemerkbar machende Unbestimmtheit des Begriffes "exhibition sexuelle" angreifen können ...


Hat man ja:
Sogar der Staatsanwalt wandte sich gegen die Anwendung von Art. 222-32.
Gegen einen gewonnenen Prozess kann man nicht an die nächste Instanz appellieren.
Es ist einfach so, wenn beide Prozessparteien und das Gericht gleicher Meinung sind, kann niemand gegen das Urteil vorgehen.
Und es ist nicht die Aufgabe des Verfassungsgerichtes, Gutachten zu verfassen, sondern Urteile.
Aber wo kein Kläger da kein Richter - auch nicht auf Verfassungsebene.
Die Sache ist gewonnen!
Ob sich das Urteil als Präjudiz bewähre, wird man sehen.
Hoffentlich ...

Puistola

Beitrag 13 September 2013 09:30 
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