Schon wieder in Haft

Alles rund um das Thema FKK
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regenmacher
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Beitrag von regenmacher » 29 Oktober 2014 13:29

(1) Folgende Zeile vollständig in die Browserzeile kopieren :

http://hudoc.echr.coe.int/sites/eng/pag ... 2itemid%22:[%22001-147623%22]}

(2) Urteil lesen und einen Beruhigungstee trinken,

(3) Urteil noch einmal lesen



Was hat das für Auswirkungen auf das Nacktwandern in England ?

(4) Die Rechtslage in England hat sich mit dem Urteil nicht geändert. Es gelten dort immer noch die gleichen Gesetze wie zuvor, die Nacktwanderungen nicht verbieten. Selbige werden dort ohne Beanstandungen der Behörden seit vielen Jahren, fast im 14-tägigen Abstand, organisiert :
z.B.
http://www.socwalks.fsnet.co.uk/
2013 : http://www.socwalks.fsnet.co.uk/walks2013/walks13.htm
2014 : http://www.socwalks.fsnet.co.uk/walks2014/walks14.htm

(5) Was sagt der Verband der britischen Naturien (BN) dazu ?

Andrew Welch, der Manager der BN, gab vor etlichen Wochen anlässlich des Nudefest 2014 ein Interview:
http://youtu.be/4cXSnIJ52fo

Nebenbemerkung:
(6) bezüglich ASBO :
Juristisch Interessierten empfehle ich den aktuellen Aufsatz
http://theconversation.com/how-the-end- ... -all-33561
zu lesen.

.

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Liberté 53
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Mary Whitehouse

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 13:42

Calcit hat geschrieben:Noch was dicht am Thema und für die Allgemeinbildung:
http://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Whitehouse
Die hätte sicherlich Zugänglichkeit dieses Forums in UK verhindert.

Auch wenn es nicht zum Thema gehört:
Lt. Wikipedia war Frau Whitehouse zu allem Überfluss auch noch Sexualerzieherin. Was muss sie alles erlebt haben, die arme Frau.!

"Her motivation derived from her traditional Christian beliefs, her aversion from the rapid social and political changes in British society in the 1960s and her work as a teacher of sex education."

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Liberté 53
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good old(fashioned) England

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 13:57

regenmacher hat geschrieben: Nebenbemerkung:
(6) bezüglich ASBO :
Juristisch Interessierten empfehle ich den aktuellen Aufsatz
http://theconversation.com/how-the-end- ... -all-33561
zu lesen.
Danke für diesen Link. Gut geschrieben. Alarmierend die Schlussfolgerung:

"From 2015 (Anm: dem Inkrafttreten der Nachfolge-ASBO), individuals whose harmless and legal behaviour causes offence will start to be subjected to lifelong packages of personally-tailored coercion, including positive requirements as well as prohibitions, all under the ever-present threat of a prison sentence.

Stephen Gough’s situation might seem extreme today – but in a few years, it might be all too familiar."


Wo bleibt die Bill of Rights? England ist schon lange kein Rechtsstaat mehr, und keiner macht Revolution.

In Luxemburg gibt es einen alten Spruch, auch gegen die Nazi-Okkupanten verwendet: "Mir welle bleiwe wat mir sinn". Und ich ergänze: wie wir sind, ohne irgendwelche ausländischen Moden mitzumachen.

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Liberté 53
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Re: Strassburg spricht ...

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 14:08

Liberté 53 hat geschrieben: Man beachte die Zusammensetzung des Spruchkörpers: einer befangen (UK), alle anderen aus dem Osten:

Lettland, Polen, Bosnien-Herzegovina, Georgien, Albanien: Nur Finnland fällt etwas raus.
Muss mich nochmal selbst zitieren.

Über Regenmachers link bin ich darauf gestoßen:
http://www.express.co.uk/news/uk/440462 ... protect-us

Da steht nun, dass die ASBOs den gewünschten Erfolg nicht bewirkten, sondern mehrheitlich missachtet würden. Und diejenigen, die so aufsässig sind, den gerichtlichen Befehl zu missachten, würden wiederum in der Mehrzahl der Fälle nicht verfolgt! Wo bleibt da die Gleichheit vor dem Gesetz? Alles so schöne Grundsätze eines Rechtsstaates, vergessen, missachtet, unmodern- leider nicht nur in UK.

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Aria
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Wir sind auf dem Weg zurück ins 19. Jahrhundert.

Beitrag von Aria » 29 Oktober 2014 15:48

Liberté 53 hat geschrieben:England ist schon lange kein Rechtsstaat mehr, und keiner macht Revolution.
Übertreib‘ nicht gleich, Liberté 53, Engländer sind halt etwas prüder als die Holländer, Franzosen oder wir. Deswegen finden sie es mehrheitlich richtig, dass Stephen Gough immer wieder eingesperrt wird. Wer sich - wie Stephen Gough - um die Gerichtsurteile nicht schert und auch sonst wie ein sturer Ochse benimmt, der muss sich nicht wundern, dass die Stimmung im Volk gegen ihn ist. Und Gerichte folgen nun mal früher oder später dem Volkswillen.

Stephen Gough wird mit seinem Verhalten nichts erreichen, im Gegenteil, sein Fall wird benutzt werden, um simple Nacktheit in der Öffentlichkeit für die nächsten 50 Jahre als „Antisocial Behaviour“ zu zementieren. Und das nicht nur in England, sondern in ganz Europa.

Calcit
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Droht Katz und Maus Spiel an inoffiziellen Stränden?

Beitrag von Calcit » 29 Oktober 2014 15:59

Über den von "regenmacher" angegebenen Link, http://theconversation.com/how-the-end- ... -all-33561 , kommt man zu dem ab März 2014 gültigen und Anfang 2015 zur Anwendung kommenden Nachfolgegesetz zur bisherigen Asboregelung.

Bei stichprobenhaftem Überfliegen des langen Textes fand ich Futter für Schwarzseher. Wenn ich das richtig sehe, ist das ein Ermächtigungsgesetz für die Polizei, gegen inoffizielle FKK-Strände in England und Wales vorzugehen. Begründung wäre, daß bei irgendjemandem (any person) aufgrund seiner überdurchschnittlich verkorksenden Erziehung Unwohlsein (distress) durch den Anblick eines oder mehrerer Nackter ausgelöst werden könnte, und die Voraussetzung, daß diese Möglichkeit wahrscheinlich (likely) ist bei so einer Person, ist mit Sicherheit erfüllt. Dann kann ein Polizist jedem der anwesenden Nackten einen schriftlichen Platzverweis erteilen. Auch wenn so ein Platzverweis nur für 2 Tage gilt, ist es naheliegend, daß das zu so einer Endlosschleife wie im Fall von Stephen Gough führen kann. Alle 2 Tage sind die Nackten wieder am Strand, eine Hälfte von denen um einen Tag versetzt, die Polizei kommt sogleich und wegen zu erwartender Nachzügler stündlich erneut und verteilt Vordrucke mit Platzverweis, wo nur noch der Name eingetragen wird, und wenn der Sommer vorbei ist geht das absurde "Spiel" im nächsten Sommer weiter.
Anti-social Behaviour, Crime and Policing Act 2014 hat geschrieben: PART 1 Injunctions
... 2 Meaning of “anti-social behaviour”
(1) In this Part “anti-social behaviour” means—
(a) conduct that has caused, or is likely to cause, harassment, alarm or distress to any person, ...

PART 3 Dispersal powers
... 35 Directions excluding a person from an area
(1) If the conditions in subsections (2) and (3) are met and an authorisation is in force under section 34, a constable in uniform may direct a person who is in a public place in the locality specified in the authorisation—
(a) to leave the locality (or part of the locality), and
(b) not to return to the locality (or part of the locality) for the period specified in the direction (“the exclusion period”).

(2) The first condition is that the constable has reasonable grounds to suspect that the behaviour of the person in the locality has contributed or is likely to contribute to—
(a) members of the public in the locality being harassed, alarmed or distressed, or
(b) the occurrence in the locality of crime or disorder.

(3) The second condition is that the constable considers that giving a direction to the person is necessary for the purpose of removing or reducing the likelihood of the events mentioned in subsection (2)(a) or (b).

(4) The exclusion period may not exceed 48 hours.
...
(6) The constable must (unless it is not reasonably practicable) tell the person to whom the direction is given that failing without reasonable excuse to comply with the direction is an offence. ...
http://www.legislation.gov.uk/ukpga/2014/12/enacted

Moral von der Geschicht für den Urlauber: Zähneknirschend das Feld räumen und dort auf Nackturlaub für 2 Tage verzichten, eine "offence" am Hals zu haben wäre ungemütlich.

So ein Katz und Maus Spiel mit der Polizei erhöht eher nicht die Besucherzahl an FKK-Stränden. Hat die Obrigkeit denn wirklich keine andere Sorgen als mit solchen Repressionen gegen harmlose Untertanen Staatsverdrossenheit zu erzeugen?

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Liberté 53
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Re: Wir sind auf dem Weg zurück ins 19. Jahrhundert.

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 17:20

Aria hat geschrieben:
Liberté 53 hat geschrieben:England ist schon lange kein Rechtsstaat mehr, und keiner macht Revolution.
Übertreib‘ nicht gleich, Liberté 53, ....
Du widersprichst Dir selbst, Aria. Oder hältst Du Deine - von mir durchaus geteilte- Prophezeiung vielleicht eines Rechtsstaates für würdig? Im übrigen zähle ich nur 1 und 1 zusammen, nämlich alles, was man so über UK erfährt: Videototalüberwachung, Umgang mit Minderheiten (U-Bahn etc.), Kriegführung, Presseüberwachung, Abhöraktionen und unsägliches mehr.
Und jetzt sag' bitte nicht, das gäbe es alles auch in anderen Ländern :twisted:
Das hast Du dann geschrieben :wink:

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Re: Wir sind auf dem Weg zurück ins 19. Jahrhundert.

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 19:01

Aria hat geschrieben: Übertreib‘ nicht gleich, Liberté 53, Engländer sind halt etwas prüder als die Holländer, Franzosen oder wir.
Du, die immer gegen Vorurteile anwetterst: Sind das jetzt keine Pauschalierungen?
Hast Du eine Umfrage gemacht zur Mehrheitsmeinung im UK? oder nur in den Justizbehörden?

Aber Stephen tut sich sicher keinen Gefallen mit dieser kompromisslosen Haltung, die ich trotzdem, gerade auch nach Calcits Erklärungen, gut verstehe. Nur käme ich eben nicht auf Idee bzw. käme bei mir der Wunsch nicht auf, mitten in der Stadt, im Gerichtssaal oder im Flugzeug nackt unter Textilen sein zu wollen.
Ich fürchte, wer sich so im lt. Aria weniger prüden Deutschland etc. benähme, säße wenigstens in Bayern schon in einer geschlossenen Anstalt, da gibt es gegen Schein-Querulanten ja anscheinend Gefälligkeitsgutachten.

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Horst
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Schon wieder in Haft

Beitrag von Horst » 29 Oktober 2014 19:38

Hallo,

hier noch ein Querverweis:

"Nackter Wanderer" Brite verliert Rechtsstreit um Nacktheit als Menschenrecht
viewtopic.php?t=31744
(29.10.2014)

Gruß
Horst

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Liberté 53
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Rechtsvergleich D-UK

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 20:55

Liberté 53 hat geschrieben: Ich fürchte, wer sich so im lt. Aria weniger prüden Deutschland etc. benähme, säße wenigstens in Bayern schon in einer geschlossenen Anstalt, da gibt es gegen Schein-Querulanten ja anscheinend Gefälligkeitsgutachten.
Ich zitiere mich nochmal selbst :(

Aber nur, weil Andreas und Uta im Parallelthread
viewtopic.php?t=31744&postdays=0&postorder=asc&start=15

mich auf dieses Urteil des OLG Karlsruhe in Sachen "Waldläufer" Niehenke aufmerksam gemacht haben, dessen Argumentation dem EGMR nicht unähnlich ist:
http://www.saarheim.de/Entscheidungen/O ... 6aus99.htm

Vom Sachverhalt ist dieses eben auch vergleichbar: Ein offensives Nacktsein an sehr öffentlichen Orten. Die Argumentation des OLG klingt und ist sehr schwerfällig und verschwurbelt, aber was will man aus solchen unbestimmten Rechtsbegriffen auch Gescheites herausholen. Da es kein Strafrecht ist (anders als in UK) soll es dem Bestimmheitheitsgrundsatz auch genügen. Ich habe da so meine, leider unmaßgeblichen, Zweifel, wenn man sich ansieht, was man alles darunter subsumieren kann- der ASBO sehr ähnlich.
Deshalb meine Befürchtung, dass es Stephen in D nicht besser erginge.

Klaus_59
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Re: Rechtsvergleich D-UK

Beitrag von Klaus_59 » 29 Oktober 2014 22:58

Wer sich unbekleidet auf öffentlichen Straßen und in öffentlichen Anlagen, in denen die Begegnung mit nackten Menschen nicht zu erwarten ist, in einer Weise aufhält, daß er anderen Benutzern den Anblick seines nackten Körpers aufdrängt, handelt ordnungswidrig iSv OWiG § 118.
Das kann ja wohl so nicht stimmen ...

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Liberté 53
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Re: Rechtsvergleich D-UK

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 23:52

Klaus_59 hat geschrieben:
Wer sich unbekleidet auf öffentlichen Straßen und in öffentlichen Anlagen, in denen die Begegnung mit nackten Menschen nicht zu erwarten ist, in einer Weise aufhält, daß er anderen Benutzern den Anblick seines nackten Körpers aufdrängt, handelt ordnungswidrig iSv OWiG § 118.
Das kann ja wohl so nicht stimmen ...
Dieser "Leitsatz" des Urteils mutet mich auch merkwürdig an (das "nicht" ist zuviel) , konnte das der verschwurbelten Begründung auch nicht in dieser Form entnehmen. Allerdings stellt das Gericht fest, dass die abstrakte Gefahr, sich einem unbekleideten Menschen, selbst gewarnt durch vorher verteilte Flugblätter, gegenüber zu sehen, ausreiche, um den Tatbestand des § 118OWiG zu erfüllen.

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Beitrag von Klaus_59 » 30 Oktober 2014 00:18

Diese Urteilsbegründung gehört ja zum Gemeingut eines jeden interessierten Nackten. :wink: Da hat aber wohl jemand falsch abgeschrieben.

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OLG Karlsruhe

Beitrag von Liberté 53 » 30 Oktober 2014 00:21

So steht's im Urteil:

"Gerade die unfreiwillige Konfrontation an Orten, an denen die Begegnung mit nackten Menschen nicht zu erwarten ist, berührt aber auch nach heute noch allgemein vorherrschender Vorstellung das Schamgefühl in besonderer Weise (vgl. OVG Münster DÖV 1996, 1052)."

http://de.scribd.com/doc/483837/2SS-166-99

Man kann aber auch den Leitsatz verstehen, wenn man dreimal liest: An Orten, wo mit dem Auftreten Nackter zu rechnen ist, ist es nicht bußgeldbewehrt.

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Beitrag von Klaus_59 » 30 Oktober 2014 00:41

Ja, ich hab es tatsächlich erst falsch verstanden. Verflucht aber auch! Hat sich also doch niemand verschrieben. :oops:

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