Bericht: Pfingstwanderung im Rothaargebirge – mit Horst und Frank – am 11. Mai 2008
"Werden wir es diesmal schaffen, die magische Grenze zu überschreiten?" Die Frage bewegt mich schon Tage vor der Wanderung. Ja, diesmal könnte es geschehen, die Vorzeichen stehen günstig, es besteht eine große Chance. Es wäre das allererste Mal, die absolute Premiere. Schauen wir mal…
Den Kofferraum voll gepackt mit Rucksäcken, zu fünft in einer Fahrgemeinschaft in überschwänglicher Frühlingslaune, brechen wir am frühen Morgen auf, um zum Rothaargebirge zu fahren. Meine Vorfreude auf die Wanderung ist riesig groß. Schon seit Tagen ist es warm und sonnig, für das ganze Wochenende und noch darüber hinaus ist wunderbares Frühlingswetter angesagt.
Über uns ist während der Fahrt wolkenloser strahlend blauer Himmel, ein Pfingstwetter, wie ich es schon Jahrzehnte nicht mehr erlebt habe. Voll im Gegensatz zum letzten Jahr, wo wir mit den "Wettergöttern" doch einiges auszufechten hatten:
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http://www.fkk-freun.de/viewtopic.php?p=81680&highlight=sonnenk%E4ppi#81680
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Wie dem auch sei, die "Wettergötter" scheinen ein Wohlgefallen an unserer Aktion zu haben und setzen sich nach Kräften dafür ein, dass es uns gelingen möge, die magische Grenze… (ihr wisst schon!?)
Ein erschreckender Gedanke durchfährt mich: Meine Wanderschuhe! Ich habe meine Wanderschuhe vergessen mitzunehmen. Die billigen Discounter-Trecking-Sandalen, die ich an den Füßen trage, habe ich bisher nur auf einer "Trecking-Tour" zum nächstgelegenen Lebensmittel-Laden getestet. Wenn das nur gut geht…
Wir haben die Autobahn verlassen, fahren eine Weile auf Landstraßen durch Wiesen und Dörfer und dann geht es bergauf durch ein Waldgebiet zum Gipfel eines Berges im Rothaargebirge.
Treffpunkt ist ein Parkplatz ganz oben auf diesem Berg. Wir waren schon einmal hier. Genau in die letzte Parklücke quetschen wir das Auto. Ich ziehe mein T-Shirt aus und verstreiche, unserem Auto zugewandt stehend, ein wenig Sonnenmilch auf Schultern und vorderem Oberkörper. Das Grüppchen Leute, die sich hinter mir an einer der Parkplatzecken versammelt haben, gehört offensichtlich nicht zu unserer Wandergruppe, erkenne ich auf Anhieb an deren Blicken und ziehe mein T-Shirt schnell wieder an.
Aber die vielen Menschen, die gerade noch in ihren Kofferräumen kramen, Rucksäcke packen, oder in Gruppen erzählend herumstehen, oder uns zuwinken, die wollen mit auf die Pfingstwanderung. Überall sehe ich herzliche Begrüßungen der Neuankömmlinge. Horst läuft herum mit einer endlos langen Anwesenheitsliste von einem zum anderen, um seine Häkchen hinter die Namen zu setzen. Meine neugierige Frage nach der magischen Grenze kann er noch nicht beantworten. Es bleibt spannend, ob wir es schaffen werden. Wir werden sehen… Ich versuche, die Angekommenen zu zählen, doch die Grüppchen auf dem Parkplatz wechseln ständig, es gelingt mir nicht.
Frank, der Ortskundige, der die Wanderstrecke wie schon im letzten Jahr geplant hat und uns auch heute wieder zielsicher durch die schöne Landschaft führen wird, schaut noch einmal auf sein Kartenmaterial und erklärt Neugierigen die Wegstrecke. Ein Stück der geplanten Route wird Wege enthalten, die eine Verbindung schaffen zwischen Wanderungen, die wir im Vorjahr gemacht haben, damit sich die Strecke zu einem Großen und Ganzen zusammenfügt. Ja, an das Tal mit der Holzbrücke erinnere ich mich. Doch das ist nur für diejenigen interessant, die seit längerem dabei sind, das Rothaargebirge zu erwandern. Jetzt habe ich eine Idee, wo die Strecke hinführen wird.
Hier am Parkplatz oben am Berg weht ein kalter Wind und ich bin, mit T-Shirt und Bermudas bekleidet, mittlerweile leicht durchgefroren, doch ich weiß, er wird sich legen, sobald wir die Kuppe des Berges verlassen haben, und bin deshalb froh, dass es jetzt losgeht.
Zu meiner Überraschung gehen wir in genau die entgegen gesetzte Richtung und queren zunächst bekleidet das Hochplateau, auf dem sich ein Restaurant befindet.
Auf den niedrig-wüchsigen Busch- und Baumbestand folgt ein hoher Fichtenwald, der allen Wind abhält, und überwiegend Schatten spendet, stellenweise aber auch Sonnenlicht durchlässt. Und was tun Wanderer wie wir an solchen Lichtflecken? Klar, brauche ich nicht mehr zu beschreiben… Vieles wird in Rucksäcke gestopft.
Die magische Grenze
Jetzt will ich es endlich genau wissen, ob wir die magische Grenze überschritten haben. Ihr habt es sicher schon erraten: Die magische Grenze ist eine gewünschte Teilnehmerzahl von 50 Leuten. Beim dritten Zählversuch weiß ich es genau: Wir haben es geschafft. Wir sind genau 52 Leute und ein Bollerwagen.
Wir haben es geschafft, einen Rekord aufzustellen. Und was für einen Rekord:
Diese Wanderung hier im Rothaargebirge ist die bisher größte Nacktwanderung, die in Deutschland je stattgefunden hat!
Dank Wettergöttern, Wanderführern, Organisatoren, Ortskundigen, wanderfreudigen Männern, Frauen und Kindern, alle haben dazu beigetragen!
Es geht stetig bergab auf einem Schotterweg, um mich herum ist Fichtenwald, unter den Bäumen ist es schattig, windstill und ich bin mittlerweile warm gelaufen. Aber ehrlich gesagt, ich kann mich für die nächste halbe Stunde nicht genau an Details aus der Landschaft erinnern. Noch wandert die Gruppe auf relativ dichtem Raum beieinander. Mal bin ich vorn, mal hinten und mal in der Mitte, in Gespräche vertieft, und damit beschäftigt, zu schauen, wer heute dabei ist und wer fehlt. Es gibt viel zu erzählen und Interessantes zum Zuhören.
Der Wald lichtet sich und öffnet den Blick in ein weites Tal mit Bachlauf und der besagten Holzbrücke. Ja, hier bin ich schon einmal gewesen, ich erkenne die Gegend wieder. Damals stand eine Gruppe Jungs auf der Holzbrücke, als wir vorbeikamen. Diesmal sitzt ein Mann im blauen Pullover etwas abseits auf der Wiese am Bach. Was mag er gedacht haben, als aus dem dunklen Fichtenwald erst einige unbekleidete Menschen und dann eine nicht enden wollende Kette von nackten Wanderern und ein Bollerwagen erscheint und sich auf ihn zu bewegt? Eine uns unterwegs begegnende Frau jedenfalls kommentierte mit: "Perfektes Outfit".
Für den Bollerwagen und dessen Eigentümer war dieser Abschnitt der Wanderung der wohl leichteste.
Das ganze Tal ist sonnendurchflutet. Wir wollen hier kurz anhalten damit ein Gruppenfoto entstehen kann, entscheidet Horst. Also, Freiwillige vor! Alle stürmen auf die Brücke.
Das Holz der Brücke ist von der Sonne aufgeheizt. Wir lassen uns nieder für die Fotosession. Ich versuche ein Gruppenfoto zu machen, was gar nicht so einfach ist. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, einige packen Brote und Getränke aus und lassen sich auf der Wiese zum Picknick nieder, andere entfernen sich um selber zu fotografieren, wieder andere gehen baden, dazwischen versuchen zwei Reiter, den Bach zu queren und noch einige Spaziergänger kommen von der anderen Seite und wollen über die Brücke. Mein Gruppenfoto misslingt, da ich es nicht schaffe, alle auf ein Foto zu bekommen. Dafür sind die zwei passierenden Radfahrer drauf.
Ein Hobby, das fast alle Wanderer scheinbar gemeinsam haben ist das Fotografieren. Jetzt fotografiert erst mal jeder jeden. Währenddessen beginnen einige schon, den Weg bergauf fortzusetzen auf der anderen Seite des Tales, und rufen uns, in Trainingsjacken eingehüllt, zu, wir mögen aufbrechen, denn ihnen sei kalt.
Kalt? Merkwürdig. Als wir dann auf dem Weg nach oben sind, frieren auch wir. Hier weht ein eiskalter Wind. Je nach Hanglage sind die Temperaturen noch sehr gegensätzlich. Nach der nächsten Kurve kaum zweihundert Meter weiter ist es wieder wohlig warm und wir genießen die Sonnenstrahlen auf der Haut. Am Wegrand entdecken wir eine uns unbekannte Blume in auffälliger Pyramidenform. Weder Knabenkraut, noch Distel.
Die Gruppe hat sich lang auseinander gezogen. Immer wieder warten wir auf die anderen. Weil das Rothaargebirge steiler ist als der Taunus, wird es mit dem Bollerwagen manchmal recht schwierig. Ein kleiner Bach quert den Weg, nur zwei Meter breit, wenige Zentimeter tief, aber einer von zweiundfünfzig schafft es trotzdem, mitten reinzufallen. Ich glaube, derjenige heißt Murphy. Noch dazu trägt er als einziger einen wasserdichten Fahrradrucksack auf dem Rücken. Nacktwandern hat halt den Vorteil, mit trockener Kleidung nach Haus zu kommen, egal, was auch geschieht.
Oben am Berg angekommen, haben wir eine lange Pause verdient und lassen uns auf einer mit Gras bewachsenen Lichtung auf und neben einem großen Holzstapel nieder. Ein Weg in Form eines Nadelöhrs führt darum herum. Plötzlich taucht eine große Gruppe Radfahrer, die dicht hintereinander der Berg herunter kommt, auf. "Keine Unfälle bitte!" ruft eine laute Stimme. Die Radler sind achtsam, während sie uns beinahe umrunden und uns nette Bemerkungen zurufen.
Als wir die Brote aufgegessen haben drängt Frank zum Aufbruch, denn er hat für alle um 17:30 Uhr Tische im Restaurant reservieren lassen und bis dahin ist es noch ein gutes Stück zu laufen. Hier sind wir auch an dem Punkt angekommen, an dem es einen abkürzenden Weg zurück gibt. Wir beschließen, uns aufzuteilen, die eine Gruppe wird eine kürzere Strecke von insgesamt zwölf Kilometern gehen, der weitaus größere Teil der Gruppe entscheidet sich für die achtzehn Kilometer Wegstrecke.
Bergab und wieder bergauf geht unser Weg, vorbei an einem vom Sturm Kyrill verwüsteten mittlerweile kahlen Hügel, durch Fichten- und Buchenmischwald, noch einen Bach querend, ein ganz kleines Stückchen Asphaltstraße, dann einen schmalen Pfad lang im Gänsemarsch den Berg hoch, dem Pfad folgend kreuz und quer durch den Wald, die mitgeführten Navi-Geräte zeigen die Richtung.
Wieder eine Lichtung am Bachlauf zum Ausruhen und ins Gras legen. Der Weg führt uns weiter an ein paar Häusern entlang. Die ersten drei wirken verlassen. Im nächsten Haus sitzt eine dreiköpfige Damengruppe im ummauerten Eingangsbereich beim Kaffeetrinken zusammen. Im letzten etwas zurückliegenden Haus sitzen drei Männer aus verschiedenen Generationen auf der Veranda in der Sonne. Der eine von ihnen trägt auch nicht mehr als eine kurze Hose und ist bereits sonnengebräunt. Ein hübsches Pferd begleitet uns noch ein paar Schritte auf der Wiese, dann führt der Weg wieder bergauf in den Wald.
Ein etwas beschwerlicher Pfad, auf dem die im Sturm gefallenen Bäume noch kreuz und quer den Weg versperren, ist die letzte Etappe des Weges, ein wenig klettern müssen wir dabei schon. Nacktwandern auf engen Pfaden bedeutet, besonders vorsichtig an querstrebenden Zweigen vorbei zu gehen, und den Zweig niemals zurückschnellen zu lassen, sonst bekommt der dahinter Gehende Striemen. Auch jeder Schritt im Unterholz will vorsichtig gesetzt werden, und kleine Waldbeerensträucher hinterlassen schnell Kratzer an den Fußgelenken.
Oben angekommen endet der Weg plötzlich in der Nähe einer Fahrstraße. Wir beschließen, unsere Kleidung wieder anzuziehen, bevor wir den Wald verlassen. Frank hatte den Pfad perfekt ausgewählt, denn es sind nur noch ein paar Schritte bis zum Parkplatz, wo wir die Rucksäcke im Auto verstauen.
Kurze Bestandsaufnahme: Ein paar große Schrammen am rechten Ober- und Unterschenkel vermutlich von Tannenzweigen. Keine Blasen an den Füßen, meine Trecking-Sandalen haben den "Härtetest" bestanden.
Gemeinsam gehen wir zum Restaurant. Man hat für uns eine komplette Sonnenterrasse reserviert. Wunderbar. Wir verteilen uns an verschiedenen Tischen. Die Wanderer der kleinen Runde sitzen bereits seit einiger Zeit gemütlich zusammen.
Und wer kommt da? Unser dreiundfünfzigster Teilnehmer. Er war leider wegen eines Defekts am Auto unterwegs liegen geblieben und konnte deshalb erst jetzt mit einem Leihwagen kommen.
Ein großes alkoholfreies Bier und Pfannkuchen mit Apfelmus, Preiselbeeren und Pfirsich sind ein guter Abschluss für einen wunderbaren Tag. Ein Tag, der sicherlich in die Geschichte des Nacktwanderns eingehen wird, dank Horst und Frank, denn:
Die magische Grenze von 50 ist überschritten!
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Gruß aus Köln
Anne