FKK-Gegner unter Christen

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ThereIsHope
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FKK-Gegner unter Christen

Beitrag von ThereIsHope » 13 August 2010 21:53

Keineswegs sind die Christen alle FKK-Gegner, aber es gibt ziemlich
viele, die mit folgendem Spruch heraus rücken:

"Gott hat uns Kleider gegeben."

Ich bin ja ein friedlicher Mensch. Aber in Sachen Freiheitsrechte
verstehe ich keinen Spaß ! Denn sie meinen es ernst, die würden
mir die Polizei auf den Hals hetzen, wenn sie mich nackt irgendwo
in rechtlicher Grauzone in der Natur sehen ! Also benutzen sie Polizei
und Waffengewalt, anstatt ihres heiligen Geistes ! Und das bringt
mich in Rage !

Ich habe die Bibel vor den Augen der Christenheit zerrissen,
und jegliche Freundschaften komplett auf den Müll geworfen.

Und es war eine gute Entscheidung ! Auch jeder Drogensüchtige
wird es bestätigen. Er jammert fürchterlich, wenn ihm der Stoff fehlt.
Aber wenn er es überstanden hat, dann kommt jene Freude, gesund
zu sein !

Schamlos an den Pranger des Internets stelle ich das Wesen
des ganzen Vereins mitsamt seiner Geistesverwandtschaft !
Der berühmte Psychiater Young sprach von Archetypen,
und ich denke, einen davon habe ich selbst live in der eigenen
Psyche erlebt. Es ist der Archetyp der "Liebenden Begrenzung".

Wie man ihn sonst noch nennt, das ist einerlei, das psychische
Phänomen ist ein- und das selbe.

Es existiert nicht nur in Kirche und Moschee, ebenso im Domina-
Studio, ebenso kann man in den USA-Sklavenverträge
unterschreiben.

Jene Gottesbindung ist ein Sklavenvertrag, und ich habe ihn
zerrissen.

Ich kann mich wohl noch vaage erinnern, wie ein wirklich
freier Mensch aussieht. Und wahrlich es gibt unter den Weltlingen
weitaus bessere Geister, als unter der Christenheit !

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Pollux
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Beitrag von Pollux » 13 August 2010 22:20

@ThereIsAHope

Man sollte dabei allerdings nicht verallgemeinern. Gerade dieses Forum ist ein guter Beweis dafür, daß es viele Christen unter den Nackten gibt, die sich auch dazu bekennen.

Was man dabei vom Christentum an sich hält, ist was anderes. Ich gönne jedem Nackten und Textilen seine Religionsfreiheit (solange er mich nicht missionieren will).
Auch wenn ich dem FKK zugrundeliegenden Freiheitsgedanken mit Christentum, Islam oder Judentum nach wie vor für nicht vereinbar halte. Aber das ist meine persönliche Aufassung.

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Lucilla
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Beitrag von Lucilla » 13 August 2010 22:44

Wie in jeder Religion sind es die fundamentalistischen Strömungen, die das ganze verkomplizieren oder gar korumpieren. Ich habe durch meine Zugehörigkeit zum Katholizismus Zeit meines bisherigen Lebens dem ganzen bedeutend mehr positive Aspekte abgewonnen als negative.

Nicht vereinbar mit FKK? :wink:
Unsinn. Was kann an der Schöpfung denn anstößig sein? Sogar der letzte Papst war dieser Meinung.

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Pollux
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Beitrag von Pollux » 13 August 2010 22:57

Lucilla hat geschrieben:Nicht vereinbar mit FKK? :wink:
Unsinn. Was kann an der Schöpfung denn anstößig sein? Sogar der letzte Papst war dieser Meinung.
Ich kenne die Äußerung des vorherigen Papstes dazu. Zu der ist an sich auch nichts negatives zu sagen.

Für mich persönlich bedeutet Frei-Körper-Kulur eben nicht nur ohne Höschen (wie Puistola es immer so nett ausdrückt), sondern auch eine Frei-Kopf-Kultur. Und daher ist für mich beides unvereinbar.

Aber wie gesagt, das ist eine ganz persönliche Entscheidung. ich habe inzwischen gelernt, diesbzgl. auch andere persönliche Entscheidungen zu akzeptieren. Solange diese eben wirklich persönlich bleiben und die FKK nicht für missionierende Zwecke missbraucht werden soll.

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knipser
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Fanatismus

Beitrag von knipser » 14 August 2010 07:32

Mich überkommt bei derart fanatischen Christen wie aber eben auch bei derart fanatischen "Anti-"Christen stets der Verdacht, dass sie mehr Probleme in sich tragen, als ihnen bewusst ist.

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Oscar
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Beitrag von Oscar » 14 August 2010 08:27

Was bist du? "Fanatischer Mittel-Anti-Christ? :lol:

ThereIsHope
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FKK, mehr als nur ohne Kleider ?

Beitrag von ThereIsHope » 14 August 2010 10:56

Also meint ihr, dahinter steckt auch eine geistliche Strömung ?

Was ich mir sehr wohl bewahrt habe von all den Bibelworten, die ich
zerriss, ist folgendes: "Wer auf das Fleisch baut, der erntet mit ihm
das Verderben. Wer auf den Geist säht, der erntet mit ihm das ewige Leben." Aus geistiger Perspektive ist es somit vollkommen gleichgültig,
ob Jemand Kleider anhat oder nicht !

Entscheident ist sein Charakter. Da sah ich eine Frau, die im Freibad ihre Brüste sonnte. Doch die Anderen fiehlen über sie her, wie die Geier.
Ebenso können wir mal lesen, was die Bundesregierung über die Bitte
der Nacktheit schreibt: Daß der Nackte: .... "keineswegs zu kurz"
kommen darf ....

Könnt Ihr es mit geistlichen Augen lesen ? Man hört die Stimme von Mitgefühl und Demut nicht mehr. Doch es gibt hin und wieder rmal
einen Menschen in Bonn, der wenigstens sagt: "Respekt Mann !"
bei der fast nackten Werbektion für die Demo auf dem Münsterplatz. Ebenso gibt es einige wenige, in deren Gegenwart man sich noch sonnen kann. Doch auch sie leiden, ich spüre es, es ist ein Jammer. In
vielen Seelen sieht es aus, wie in der Spiezeugkiste, einige sind
völlig kapputt, und sehen die Hölle von Fleisch und Gewalt. Die
sind es auch, die die FKK-Leute verpfeifen.

Aber was solls ? Soll ich mich auffressen lassen, von all dem Unrecht ?
Die Welt der Menschen vergeht. Auch Christus, der noch ein menschliches Inbild ist, verschwindet ersatzlos aus meinem Geist. Mir ist sehr wohl bewußt, was ich da verwerfe. Das Angebot von Liebe und Freundschaft ! Nicht umsonst wird er der Menschensohn genannt. Doch was verdorben ist, durch die Bosheit anderer Leute, durch Macht- und Profitgier, das scheide ich komplett aus. Ebenso den Buddhismus, Islam, FKK, Fetischimus, Politik, Bundesregierung, einfach alles ! Schieben Sie mich in den Positronenemissionstomographen, dann werden Sie sehen, wie die Neuronen abgebaut werden, und neue wachsen. Loslassen, vergessen,
nd nochmals loslassen ! In der Leerheit findet sich der Weg, lauter
und klar.

Die ZEN- Meditation könnte ich sogar im Gefängnis praktizieren. Wo auf dieser Welt sollte ich jemals ein solches Licht wieder finden, wenn es nicht im eigenen Inneren kommt ? Der Narr krepiert psychisch im Luxusdampder mit Türstehern und vergoldeten Langusten. Der Weise erlebt die leuchtende Schönheit des ganzen Universums in einem einzigen Tropfen Morgentau !

So lasst Euch trösten, von der Ratte, die ich bin ! Die Welt ist nicht genug !

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Nacktfrosch2
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Beitrag von Nacktfrosch2 » 14 August 2010 16:35

Ich sage es nicht allzu oft und enthalte mich auch oft religiösen Themen. Denn ich will niemandem missionieren oder jemandem meinen Glauben aufzwingen. ich bin selber auch Christ. ich gehe auch regelmäßig in die Kirche (sofern durch die Arbeit das nicht gerade mal nicht möglich wird).

Was ich im Bezug FKK in meiner Gemeinde erfahren habe, zumindest hier scheint es so zu sein, dass seit dem Sündenfall der Mensch bekleidet zu sein hat (...Sie waren nackt und schämten sich nicht. (vorher) ...Sie sahen, dass sie nackt waren und schämten sich. ... (nachher)".

Es scheint sich aber in unserer Gemeinde bei den jüngeren die Meinung durchzusetzen, dass es nicht die Nacktheit an sich war, derer sich die ersten Menschen nach dem Sündenfall schämten, sondern eher die Erkenntnis,dass sie etwas übles getan hatten. Wenn ein Kind merkt, dass es etwas übles getan hat, dann schämt es sich dessen ja auch und versucht, die Angelegenheit zu verstecken. Und eben dieses Verhalten legten auch die ersten Menschen an den Tag. So kamen denn auch eben jüngere Menschen auf die Meinung, dass die Nacktheit nichts schlechtes ist (im Gegensatz doch vieler älterer Menschen in unserer Gemeinde). Na gut, FKK selber betreiben sie bestenfalls in der Wohnung vom Zimmer zum Bad und umgekehrt. aber es ist doch ein Anfang, denke ich.

Ich selber bin erst als Erwachsener zum FKK gekommen. nachdem ich mir darüber intensiv Gedanken gemacht habe, was es eigentlich ist. Und so ganz habe ich bestimmt noch nicht alle Facetten davon betrachtet und entdeckt. Aber mir macht es selber Freude und ich mache es gerne. Also lebe ich damit und betrachte die entsprechenden Bibelstellen im Zusammenhang mit der damaligen Kultur, in der sie geschrieben sind. Ich denke, so lassen sich die Bibelstellen auch am besten erfassen und verstehen.

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Georg N
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Beitrag von Georg N » 20 August 2010 22:23

Nirgendwo steht in der Geschichte vom Sündenfall, das der Mensch sich bekleiden soll. Er tut es von sich aus. Nach dem Sündenfall versteckt er sich. Er gerät in Furcht, weil er nackt ist. Natürlich wird er gefunden. Die Begründung, dass es nackt sei, läßt sein Versteckspiel doch geradezu lächerlich erscheinen. Nichts kann er vor Gott verbergen. So ist der Naturismus doch eher eine Umkehr, ein offenes Zugehen auf den anderen. Genau das Schätze ich am Naturismus. Natürlich können wir nicht einfach ins Paradies zurück. Aber wir müssen uns auch nicht ständig verängstigt verstecken, als seien wir auf der Flucht, wie Adam. Wir können mutig aufeinander zugehen. Dazu suchen wir eine private, vertrauensvolle Atmosphäre, die wir doch gerade unter Naturisten auch finden. Vorbild ist für uns doch nicht der Mensch, der von Gott wegläuft, sondern der, der der nichts vor ihm verbirgt, der auf ihn zu geht, so wie er geschaffen ist.

Eule
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"Gott hat uns Kleider gegeben."

Beitrag von Eule » 21 August 2010 01:04

Wofür der liebe Gott nicht alles herhalten muss? :roll:

ThereIsHope, ich persönlich finde deine Reaktion als eine Überreaktion. Wenn ich bei dem dummen Zeug, was ich von "überzeugten" Christen gehört habe, so wie du reagiert hätte, wäre ich bestimmt ein dutzend Male aus der Kirche ausgetreten. Dummheit ist eine Erscheinung, die auch "überzeugte" Christen befällt.
Jene Gottesbindung ist ein Sklavenvertrag, und ich habe ihn zerrissen.
Ich empfinde meine Gottesbindung nicht als eine Sklavenbindung. Durch meine Gottesbindung empfinde ich Freiheit, Offenheit und Hinwendung zum Nächsten.
"Wer auf das Fleisch baut, der erntet mit ihm das Verderben. Wer auf den Geist säht, der erntet mit ihm das ewige Leben." Aus geistiger Perspektive ist es somit vollkommen gleichgültig, ob Jemand Kleider anhat oder nicht !
Ja, diese Aussage hat nichts damit zu tun, ob ein Mensch bekleidet ist oder nicht. Der Begriff Fleisch steht hier für die ungebremsten, unreflektierten Impulse des Menschen und der Geist für ein Handeln nach einer Reflexion. Kleidung ist hier in keinem Sinne angesprochen. Weder das Tragen von Kleidung, noch das Tragen einer bestimmten Kleidung. Ebensowenig das Nichttragen einer Kleidung.

Wir haben es leider völlig verlernt, aus den Texten heraus die Sinnfrage zu stellen. So führt ein zu kurz gegriffenes Textverständnis zu Fehlinterpretationen. Es wäre schön, wenn du den Weg zur Kirche zurück finden könntest und die Kraft, dich mit diesen "ehrbaren" Christen auseinander zu setzen und diese einmal zu Fragen, wie diese ihre Meinung aus der Bibel ableiten und auf welche Aussagen in der Bibel sie sich berufen. Zum Anderen kannst du diesen ja deinen Standpunkt darlegen. Ein gutes Beispiel als Argument für Dich ist, auch wenn es in der Tat eine "Krücke" darstellt, das Beispiel, wo die Kirche als ein Körper und ihre Mitglieder als Glieder dargestellt werden. Es geht also um den Körper und nicht um die Kleidung.

Ich selbst nutze manchmal solche "Krücken", um auf ein dummes Argument mit einem Argument zu antworten, welches von denen nicht so einfach widerlegt werden kann. Ich weiss, dass dieses zwar nur eine "Krücke" ist und man darf diese auch als solches benutzen.

marinade
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Re: "Gott hat uns Kleider gegeben."

Beitrag von marinade » 21 August 2010 19:15

Hey Norbert,
eine Frage zu Deiner Äußerung hätte ich:
Norbert Boxberg hat geschrieben:... und der Geist für ein Handeln nach einer Reflexion. ..
Wie würdest Du den Geist mit dem Glauben in Verbindung bringen, wenn dem doch eine Reflexion, als Denkleistung bzw. -ergebnis und nachfolgend Wissen, augenscheinlich zu widersprechen mag?

Eine Bekleidungsfrage, als Themenstellung, sehe ich in diesem Zusammenhang nicht.

VGvM

Eule
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Beitrag von Eule » 22 August 2010 23:59

marinade, eine kurzen Reaktion auf deine Frage. Der Begriff Geist ist nicht einseitig belegt und wird in der bildhaften Sprache unterschiedlich genutzt. Es kommt also darauf an, in welchem Sinnzusammenhang der Begriff Geist eingesetzt wird. Ich sehe aber auch in der Denkleistung einer Reflexion kein Widerspruch zur Religion bzw. Glauben, auch wenn der Begriff Glauben als ein für Wahr halten angesehen wird, welches sich unserem Denkvermögen und somit un serer Reflexion entzieht.
Eine Bekleidungsfrage, als Themenstellung, sehe ich in diesem Zusammenhang nicht.
Hier stimme ich dir voll uns ganz zu. Meine Meinung ist, dass ich aus der Religion hinaus keine Ablehnung zum FKK ableiten kann. Moraltheologisch hat FKK keine Bedeutung, solange es nur um das so-Sein geht.

rise and shine

Gott hat "uns" Kleider gegeben...

Beitrag von rise and shine » 23 August 2010 14:43

... kurz mal zurück zum ersten Statement:
"Gott hat uns Kleider gegeben." (ThereIsHope)
Die Stelle ist aus der Genesis und lautet so:
„Gott, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit.“ (Gen 3,21)
Doch wäre die Bibel genau so streng wörtlich zu nehmen, könnten wir in einen Widerspruch geraten, denn:
„Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.“ (Gen 3,7)
und noch früher:
„Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander.“ (Gen 2,25)
Ja was denn nun?
Hat der Liebe Gott es in Seiner Unergründlichkeit etwa nicht ausgehalten die beiden nackt zu sehen? Musste Er da was an Seiner Schöpfung ausbessern? Hat er etwa geahnt, die Beiden würden hyper-sexualisierte US-Amerikaner und als diese dann im 21. Jahrhundert geteert und gefedert, wenn sie weiter nackt blieben?

Also nein.

Weder hat Gott ein Nähkästchen, ein Lederfleckchen, Nadel und Zwirn, noch müssen alle Menschen seit Adam und Eva nackt leben.
Das Schöne an der Schrift ist ja, dass man sich daran orientieren kann - und dabei ganz pragmatisch genau das für sein Leben wählen, was gut ist.

Das alles sei auch im Hinblick auf die unterschiedliche Soziologie in den Weltteilen gedacht und gesagt - schon die Berührungsfrequenz, die Deutung von Berührung überhaupt, ist im Alltag von Region zu Region unterschiedlich.
Eine Studie, die ich jetzt nur aus dem gedächtnis zitieren kann, besachreibt die Berührungen während eines Kaffeehaus-Gesprächs zwischen zwei Menschen:
in London 0 pro Stunde
In Paris 115 pro Stunde
In Rio de Janeiro 185 pro Stunde.

Umgekehrt wird die Annäherung eines Südamerikaners von einem Nordeuropäer oft mit Distanzlosigkeit missverstanden, worauf der eine zurück weicht und der andere prompt nachsetzt - vielleicht so lange, bis einer, der mehr Distanz braucht, irgendwo an der Wand klebt oder eine Treppe hinunter stürzt...

So hat es also seit Adam und Eva eine Differenzierung dessen gegeben, wie man mit Nähe, Distanz, Körper und Berührung so täglich umgehen kann.
In Ländern mit wenig Berührung hat man eine höhere individuelle Selbstständigkeit, und ein höheres Maß an Sexualisierung des Körpers (mit mehr Hemmungen) festgestellt, in Ländern mit viel Körperkontakt ein strengeres Regelwerk, wie man diese Kontakte interpretiert und damit umgeht, und eine geringere Sexualisierung von Körperlichkeit im Allgemeinen.

Nackt ist also für die einen einfach "so sein wie im Paradies" und für die anderen bereits die Einladung zur Vergewaltigung? Gar nichts dazwischen?

Es liegt ganz allein an uns selber, die Interpretation zu prüfen, bevor wir ihr und den folgenden Missverständnissen erliegen.

Gott hat kein Fell genäht.
Adam und Eva auch nicht.
Wir nähen unsere Fellchen und Feigenblätter immer gern selber - ohne dessen gerne bewusst zu sein.

Feigenblättchen - das ist im übertragenen Sinn ja auch eine Form der Unehrlichkeit, des Versteckens der wirksamen Gefühle: also "unschuldig tun", ohne es zu sein - also mit dem Zweck die eigene Erregung zu verheimlichen.
Vielleicht ist genau da der Ursprung von Kleidung / Uniform (jedenfalls dort, wo Kleidung nicht dem Kälteschutz dient): die eigenen Gefühle, die eigene Verletzlichkeit, zu verbergen - und sich damit in eine Machtposition über den Anderen zu begeben.

Da haben wir alle vielleicht jeden Tag einiges zu überprüfen. Da wird uns bestimmt nicht fade.

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Georg N
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Beitrag von Georg N » 23 August 2010 21:33

"Vielleicht ist genau da der Ursprung von Kleidung / Uniform (jedenfalls dort, wo Kleidung nicht dem Kälteschutz dient): die eigenen Gefühle, die eigene Verletzlichkeit, zu verbergen - und sich damit in eine Machtposition über den Anderen zu begeben." sagt rise and shine

Genau das trifft es. Der Mensch möchte sein wie Gott (Gen 3.5). Ursprung der Sünde ist das Mißtrauen gegen Gott (Drewermann: "Strukturen des Bösen"), die Vorstellung, Gott möchte uns etwas vorenthalten. Erst das Verbot macht den Apfel ja interessant (nach Aussage des Wurmes ein völlig normaler Apfel aus biologischem Anbau - so jedenfalls bei Kishon: "Ein Apfel ist an allem Schuld"). Im Widerspruch zu Gott schämt sich der Mensch seiner Ganzen Existenz. Offensichtlich ist, dass Adam nach seiner Verfehlung von sich aus das Bedürfnis hat, sich zu bekleiden. Das ist aber der Zustand, den der Mensch im Widerspruch zu Gott gewählt hat. Wie er von Gott gewollt ist, so war er vor dem Sündenfall - eben nackt. Nun dürfen wir natürlich nicht glauben, mit dem Ablegen der Kleider kämen wir ins Paradies zurück. Aber was uns von Gott zugedacht ist, kann nicht an sich schlecht sein. Ein moralisches Verbot der Nacktheit läßt sich hieraus nicht ableiten. Auch die Blöße des Noach (9,18-27) ist in seinem Gesamtzustand (nicht allein in der Nacktheit) zu sehen. Sie wird offensichtlich sehr blamabel empfunden. Es ist schon auffällig, wie sehr betont wird, dass die beiden Söhne seine Blöße nicht sehen. Doch ein ausdrückliches Bekleidungsgebot ist auch hier nicht zu finden. Vielmehr geht es darum, diesen Zustand nicht entwürdigend aufzudecken, sondern Ehrfurcht zu bewahren.

rise and shine

tja...

Beitrag von rise and shine » 24 August 2010 14:09

Der Mensch möchte sein wie Gott (Gen 3.5)


also das trifft weder auf mich noch für mein männchen zu. sorry. hier verstehe ich die bibelstelle als ein bild für das ungezügelte streben nach wissen gleich macht, das im gleichnis vom verbotenen baum der erkenntnis seine entsprechung hat.

Gesperrt