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Streiflichter Nr..209 vom 27.07.2013

  Autor    Thread Dieses Forum ist gesperrt, Du kannst keine Beiträge editieren, schreiben oder beantworten. Dieses Thema ist gesperrt, Du kannst keine Beiträge editieren oder beantworten.
regenmacher



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Streiflichter Nr..209 vom 27.07.2013

(1) Richterspruch in den Niederlanden

Wie regelmäßigen Streiflichterlesern sicherlich bekannt, wird die Frage des „einfachen Nacktseins in der Öffentlichkeit“ in den Niederlanden durch einen eigenen Gesetzesparagraphen geregelt. Es ist dies der § 430 a, dessen Wortlaut ich hier zitieren will :

„Hij die zich buiten een door de gemeenteraad als geschikt voor ongeklede openbare recreatie aangewezen plaats, ongekleed bevindt op of aan een voor het openbaar verkeer bestemde plaats die voor ongeklede recreatie niet geschikt is, wordt gestraft met geldboete van de eerste categorie.“

Wie dem Wortlaut zu entnehmen ist, sind die Gemeinden der Niederlande berechtigt, „geeignete“ Bereiche der unbekleideten Erholung zu widmen. Ein solcher Bereich erlangt quasi den offiziellen Status „Nacktgebiet zu sein“.

Aber abweichend von der naiven Vorstellung, ändert sich - wenn die jeweilige Gemeinde eine Aberkennung dieses „offiziellen“ Status ausspricht und das Gebiet damit „inoffiziell“ wird, oder die Gemeinde für diesen Ort gar ein (z.B. mit einem Bußgeld bewertetes) Nacktverbot ausspricht – der rechtlich Status des vormaligen Nacktgebietes NICHT.

Denn bei der bezüglich § 430 a entscheidenden Frage, ob ein Gebiet zur unbekleideten Erholung geeignet ist oder nicht geeignet ist, kommt es auf eine eventuelle Zustimmung oder Ablehnung der Gemeinde nicht an.

Das ist nicht nur die Meinung der mitgliederstarken „Naturisten Federatie Nederland (NFN)“, sondern – wie durch ein aktuelles, vorgestern veröffentlichtes Gerichtsurteil bestätigt wurde – auch richterliche Überzeugung.


http://www.rechtspraak.nl/Style%20Library/Images/R_Header.gif

In dem mir vorliegenden, aber auch allgemein zugänglichen Urteilstext, erklärt das Gericht ein zuvor von der Gemeinde Velsen wegen nackten Aufenthalts auf einem, durch die Gemeinde dafür nicht autorisiertem Gebiet ausgestelltes „Knöllchen“ für unzulässig. Ich will – weil hier auch die Gemeindeordnung (§ 2.8 Satz 1 Algemene Verordening Recreatieschap Spaarnwoude) indirekt mit hineinspielt und es dadurch etwas komplizierter wird, nur einen Satz aus der richterlichen Begründung zitieren :

„In artikel 430a van het Wetboek van Strafrecht is evenwel bepaald dat naakt recreëren buiten een door de gemeenteraad aangewezen terrein voor naaktrecreatie alleen strafbaar is indien de betreffende voor het openbaar verkeer bestemde plaats voor ongeklede recreatie niet geschikt is.“

„Der Artikel 430a des Strafgesetzbuches sieht vor, dass FKK außerhalb eines von der Stadtverwaltung dem Nacktsein gewidmeten Bereiches NUR dann strafbar ist [und eventuell mit einer Geldbuße geahndet werden darf], wenn der öffentliche Bereich zur nackten Erholung nicht geeignet ist.“

Das führte zu dem Freispruch.

Wer sich für die Details interessiert : Unter

http://deeplink.rechtspraak.nl/uitspraak?id=ECLI:NL:RBNHO:2013:6599

ist der wesentliche Text des mit dem Aktenzeichen „96 – 288013-11” veröffentlichten Spruchs des am „Rechtbank Noord-Holland“, Haarlem ergangenen Urteils vom vergangenen Dienstag einsehbar. Dort ist auch festgestellt, dass ein eventuelles Nacktverbot in einer der niederländischen Gemeindeverordungen - nur für sich allein gesehen - praktisch wirkungslos ist.


(2) Noch ein Besuch im Museum

Über die „Southern Califonia Naturist Association (SCNA)" konnte ich schon häufiger hier notieren. Es ist eine „non-Profit“ ( § 501c7 ) Organisation, die sich der „family-friendly nude recreation“ verschrieben hat, und – wenn sie denn hierzulande beheimatet wäre – sicherlich den Status der Gemeinnützigkeit hätte und durchaus Mitglied des DFK sein könnte.

Die SCNA verfügt jedoch über kein eigenes FKK-Gelände, sondern ist eher auf den dortigen FKK-Stränden (z.B. „Haulover Beach“) beheimatet.

Sie sind auch immer wieder Gast auf den Geländen befreundeter Organisationen. Zum Beispiel werden sie sich heute, Samstag den 27.07.2013, am „Olympic Picnic“ beim „Glen Eden Sun Club“ beteiligen :


http://www.socalnaturist.org/clipart/olympianpicnic1.jpg

Und gleich darauf, am folgenden Sonntag, den 28.07.2013, wird es zum Nacktkegeln gehen, das also nicht nur in Europa, sondern auch in Kalifornien gepflegt wird :


http://www.socalnaturist.org/Nudebowling2.jpg

Aber darum soll es mir hier jetzt nicht gehen.

Vielmehr möchte ich über ein Ereignis vom vergangenen Wochenende notieren und damit eine weitere Brücke zwischen dem nackten Europa und der nackten USA sichtbar machen.

Zu der Veranstaltung wurde mit folgendem Bild aus dem nackten Europa eingeladen :


http://www.socalnaturist.org/clipart/Nudists_at_artgallery_sm.jpg

Unschwer zu erkennen: Es entstand anlässlich eines der vor nur wenigen Monaten von hiesigen Aktivisten organisierten nackten Ausflüge zur nackten Kunst.

„Das können wir auch“ haben sich unsere Freunde in Kalifornien gedacht und sich für den 20.Juli im „Es Segundo Museum of Art (ESMoA)“ eingeladen.

Derzeit sind in dem von Brian und Eva Sweeney betriebenen Museum unter dem Titel „Truth“ nicht nur Albrecht Dürers „Die vier Hexen“ und unbetitelte Arbeiten von Martin Kippenberger sondern u.a. auch das bekannte „nude holding a mirror“ von Pablo Picasso zu sehen.

Tatsächlich sind dem Aufruf der SCNA dann auch über 50 Nackte gefolgt :


http://images.huffingtonpost.com/2013-07-22-SCNAjollygrouppix.jpg

Nach der „Führung“ gab es immer wieder Diskussionen :


http://images.huffingtonpost.com/2013-07-22-SCNACouple.jpg

Auch diese junge Dame war mit dabei :


http://images.huffingtonpost.com/2013-07-22-FrontalPeaceNecklace.jpg

Ich soll ihren Namen nicht nennen, was mich dazu verleitet, ihr freihändig einen Namen zu geben : „Peace and Love“. Das passt.

Der Präsident der SCNA, Rolf Holbach, betonte in einem Interview mit Priscilla Frank, von der ich übrigens auch den Hinweis auf diese Veranstaltung habe, dass gerade das Ausstellungs-Thema „Truth“ aus dem natürlichen Blickwinkel der nackten Besucher leicht zu erschließen war.


(3) Spanische Presse wirbt fürs Nacktbaden und ... fürs Nacktwandern

Vor 14 Tagen waren der spanischen Presse längere Berichte über die Freuden des Nacktseins zu entnehmen.

„Ok – das ist halt Tourismusgeschäft“ werdet ihr jetzt denken.
„Die wollen halt an das Geld der europäischen Urlauber.“

Das ist natürlich auch nicht ganz falsch.

Aber die vollständige Wahrheit erschließt sich erst, wenn man bedenkt, dass eben jene Berichte in spanisch abgefasst sind und sich somit eigentlich zuerst an die „inländischen“, spanischsprachigen Urlauber richten.

„Was steht denn nun drin in den für den spanischen Markt bestimmten Beiträgen ?“

„Temporada alta de naturismo en las playas cántabras. Las altas temperaturas de estos días en Cantabria han abierto la temporada alta de playa para mucha gente, entre ellos para los nudistas“

Und dann folgt – neben einer unangenehmen Bemerkung über interne Streitereien in der „Asociación Naturista de Cantabria (ANC)“, mit denen ich mich hier jetzt öffentlich aber nicht befassen will – eine von der „Federación Española de Naturismo (FEN)“ zusammengestellte Liste von Stränden, die überwiegend von Naturisten genutzt werden bzw. wurden – aber nicht ohne die auch in Spanien immer wieder notwendige Erläuterung, dass es keiner explizit als FKK-Strand ausgewiesener Bereiche bedarf.

http://www.eldiariomontanes.es/20130712/local/cantabria-general/diez-carreteras-espectaculares-mundo-201307121941.html


http://www.eldiariomontanes.es/noticias/201307/12/Media/nudistas--647x231.jpg

„Ok regenmacher. In den spanischen Zeitungen wird also für das Nacktbaden geworben. Na und ??“

Noch am gleichen Tag veröffentlichte Marta Fernández Vallejo in der diariovasco.com eine „kleine Anleitung zum Nacktsein“ und listet dabei nicht nur die meistbesuchten Strände des Baskenlandes auf, sondern widmet dem Nacktwandern rund die Hälfte des Artikels.

Nacktwandern – durch die spanische Presse der spanischen Leserschaft empfohlen.

Als Fachmann muss ich da doch hellwach werden.

In der Tat werden im besagten Artikel aus Nacktbadern Teilnehmer an den „baskischen FKK-Wandertagen“. Damit wird eine Brücke zu vergleichbaren Aktivitäten im benachbarten Frankreich, der Schweiz und Deutschland geschlagen, dass es eine Freude ist.

(A)
Es wird von naturistischen Spaziergängen entlang der Klippen von Sopelana geschrieben, die – so der Autor – inzwischen schon „Klassiker“ sind und in der Regel mit einem Essen in einer der örtlichen Bars enden, die auch Nackte als Kundschaft akzeptieren.

(B)
Oder die eher im Sommer bevorzugte Route durch den „Sumpf von Ullibarri-Gamboa“, die durch bewaldete Bereiche in einer der schönsten Gegenden bis an einen Flussstrand führt, wo dann für gewöhnlich Rast gemacht wird.

(C)
Oder die schon deutlich sportlicher angelegten, organisierten Nacktwanderungen von Urbasa, die in bergige, weitgehend naturbelassene, teilweise dicht bewaldete und auch nahezu menschenleere Landschaft führen und damit dem Ziel „Nacktwanderns in üppigster Natur“ noch am nächsten kommen.

( http://www.diariovasco.com/20130712/mas-actualidad/sociedad/playas-nudistas-201307121524.html )


(4) Nacktpaddeln – inzwischen bayerisches Brauchtum

Immer wieder notiere ich hier in den Streiflichtern von den Erfolgen in Spanien, Frankreich, Kalifornien, Kanada, England.

Neuseeland, Brasilien und auch China waren ebenfalls schon mehrfach vertreten.

Nun aber geht es nach Bayern, wo man Bayerisch spricht, CSU wählt - na ja, natürlich nicht alle – und das Brauchtum pflegt.

Womit wir schon beim Thema wären, denn um die Pflege bayerischen Brauchtums geht es mir hier in dieser Notiz.

Erst letztes Wochenende trafen sich einige Einheimische am Ufer der Isar – nicht um faul in der Sonne zu liegen, sondern um sich gemeinsam dem „Nacktrudern“ zu widmen. Schon seit Jahrzehnten wird darüber berichtet.

Hier ein Bild von einer Rast der Nacktrudernden, die – in passend traditioneller Kleidung – ihre Boote herrichten :


https://fbcdn-sphotos-e-a.akamaihd.net/hphotos-ak-ash3/p480x480/1017713_198963530266410_1630699585_n.jpg

Über zwei Tage – so wird berichtet – folgten sie (bei bestem Wetter und sicherlich auch guter Stimmung) dem Lauf der Isar.

Manchmal abenteuerlich, zu großen Teilen auch sehr idyllisch, aber immer nackt.

Ich schrieb es ja bereits: Bestes bayerisches Brauchtum.


(5) Picknick in der Botanik

Innerhalb der „British Naturism (BN)“, mit rund 10000 Mitgliedern eines der größeren Landesverbände der INF, existiert die aktive Gruppe „London and South East Region (Laser)“, aus der heraus immer wieder neue Ansätze kommen.

Hier soll nun über ein von besagter „Laser“ organisiertes „Nacktpicnic“ berichtet werden, aus dem sich langfristig neue Möglichkeiten für das Nacktsein rund um London ergeben sollen.

So ist zumindest der Plan.

Jedenfalls lud die BN am vergangenen Samstag, den 20.07.2013, zu einem Nacktpicnic im „High Beeches Garden“ nahe Handcross nach Sussex ein. Die Bezeichnung „Garden“ täuscht ein wenig, denn, hiesigem Sprachgebrauch folgend, sollte man es wohl eher als Park bezeichnen.

Den Nackten (BN-Mitglieder, Freunde und Bekannte – der Teilnehmerkeis war absichtlich weit gehalten) bot sich damit bereits im dritten Jahr die Möglichkeit eines Ausflugs in die wirklich sehr schön gestaltete Parkanlage, wo inzwischen allerlei einheimische und eben auch exotische Pflanzen aus China, Japan und Nordamerika ein Zuhause gefunden haben und einen idealen Rahmen für das „nackte Picknick“ boten.

In diesem Jahr ist dort übrigens ein „Spy Treasure Trail“ eingerichtet worden, der kleinen und großen Kindern geeignete Aufgaben und Überraschungen bot.


http://www.highbeeches.com/images/historynew.jpg

Für die Zukunft wünscht dich John Rogers, der als Organisator die Arbeit damit hatte, noch mehr Beteiligung aus dem „Millbank“, „Little Oaks“ und „Apollo“, deren FKK-Gelände allesamt im Einzugsbereich des „High Beeches Garden“ liegen.


Alle Grüße
michael regenmacher / strothjohann

Hier geht es zum letzten Streiflicht:
http://www.fkk-freun.de/viewtopic.php?t=28886

Und wer jetzt immer noch nicht genug hat:
Hier geht es zu den anderen Streiflichtern - „gesammelt und gebunden“:
http://www.fkk-freun.de/viewtopic.php?t=19187

Und hier:
http://www.sauna-jugendforum.de/viewtopic.php?f=69&t=126&start=200

Und hier auch:
http://www.fsg-lev.de/aktuelles.html
.

Beitrag 27 Juli 2013 15:52 
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regenmacher



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germany.gif

Nachschlag zu 209.2 :

Der Haulover Beach liegt natürlich in Florida (er ist sogar mit Abstand der am weitest bekannte Nacktbadestrand Floridas )

Die Southern California Naturist Association (SCNA) hingegen ist - wie unschwer am Namen abzulesen ist - in Kalifornien beheimatet.

Aber die paar Kilometer dazwischen sind ja praktisch gar nichts, wenn ich das mit dem Durchmesser unseres Universums vergleiche.

Ihr seht - alles ist relativ. Und regenmacher ist im "zurechtbiegen" geübt.

alle Grüße
michael regenmacher
.

Beitrag 27 Juli 2013 17:20 
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Mandragora



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germany.gif

Zitat:
„Der Artikel 430a des Strafgesetzbuches sieht vor, dass FKK außerhalb eines von der Stadtverwaltung dem Nacktsein gewidmeten Bereiches NUR dann strafbar ist [und eventuell mit einer Geldbuße geahndet werden darf], wenn der öffentliche Bereich zur nackten Erholung nicht geeignet ist.“


Woran erkennt man denn, ob ein öffentlicher Bereich zur nackten Erholung geeignet ist oder nicht?
Und wer legt das fest?
Im Grunde genommen ist doch jeder Bereich, der zur "textilen" Erholung geeignet ist, auch zur nackten Erholung geeignet.
Ich bin da etwas skeptisch. Das ist so schwammig formuliert, daß die Behörden doch wieder völlig freie Hand haben.

Beitrag 29 Juli 2013 09:50 
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pro Nude
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Das ist in der Tat richtig, Mandra.
Genau genommen ist die Rechtslage diesbezüglich kein Stück deutlicher als hier.
Da nirgends festgelegt ist, wodurch sich ein Ort für die nackte Erholung auszeichnet, ist dies wieder der Interpretation von Richtern und Staatsanwälten überlassen, und wenn die nun als Voraussetzung für die Eignung zur nackten Erholung beispielsweise Uneinsehbarkeit, Umzäunung und Beschilderung sehen, sind die Ahndungsgrenzen noch deutlich tiefer gelegt als nach der Bayerischen Badeverordnung.

Allerdings ist die Justiz in den Niederlanden weniger konservativ verhaftet, sodass wesentlich liberaler und verfassungsnäher geurteilt wird icon_wink.gif

Beitrag 29 Juli 2013 12:55 
 
 
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regenmacher



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Mandragora hat folgendes geschrieben::
wer legt das fest?

Eine interessante Frage. Es liegt in richterlicher (und nicht gemeindlicher und auch nicht staatsanwaltlicher) Entscheidung.

por_nude hat folgendes geschrieben::
ist dies wieder der Interpretation von Richtern und Staatsanwälten überlassen, und wenn die nun als Voraussetzung für die Eignung zur nackten Erholung beispielsweise Uneinsehbarkeit, Umzäunung und Beschilderung sehen

Hier geht es also um die Frage, nach welchen konkreten Kriterien denn darüber entschieden wird, ob ein in Frage stehendes Gebiet zur nackten Erholung „geeignet“ oder „nicht geeignet“ ist.


Ist „Umzäunung“ (bzw. etwas schärfer formuliert : „nicht freie, allgemeine Zugänglichkeit“) ein Kriterium ?

Nein, denn erstens gibt es zahlreiche Beispiele in den Niederlanden, die nicht eingezäunt sind und zweitens betraf der erwähnte Urteilsspruches ein allgemein frei zugängliches Gelände. (Nebenbei: „nicht allgemein zugänglich Bereiche“ - z.B. Vereinsgelände, die nur den jeweiligen Mitgliedern zur Verfügung stehen und daher eigentlich wie Privatgrundstücke zu behandeln sind, lassen sich eh – Nichteinsehbarkeit vorausgesetzt - nicht bezüglich 430a abhandeln)


Ist „Beschilderung“ (z.B. durch die Gemeinde oder von anderer Seite angebrachte „Hinweisschilder“) ein Kriterium ?

Ebenfalls nein, denn nach vorstehendem Urteil kommt es darauf nicht an, wenn es darum geht zu entscheiden, ob ein Gelände „geeignet“ oder „nicht geeignet“ ist.


Ist die „Historie“ ein Kriterium ? Anders: Kann die vergangene naturistische Nutzung als Kriterium genommen werden ?

Nur insoweit, als das es eine hinreichende (wichtig: aber nicht notwendige !) Bedingung für die Zulässigkeit nackter Erholung ist, so dass auch neue, bisher nicht dafür genutzte Bereiche eröffnet werden können.


Ist „Uneinsehbarkeit“ ein Kriterium ?

In irgendeiner Form „Einsehbar“ ist jedes allgemein zugängliche Gelände, denn da es ja öffentlich zugänglich ist, gibt es mindestens einen Trampelpfad, auf dem Unbeteiligte zufällig dorthin gelangen könnten. Wenn da also nicht z.B. ein Unterschied zwischen „von einem Feldweg aus einsehbar“ und „von einer öffentlichen Straße aus einsehbar“ o.ä. gemacht wird, dann ist „Uneinsehbarkeit“ als Kriterium nicht zu gebrauchen.

Nebenbei:
Als vor wenigen Jahrzehnten der 430a in den Niederlanden eingeführt wurde, gab der niederländische Justizminister – befragt, was den „geeignet“ im Sinne des 430a heißen würde - eine Erklärung ab, die ich hier jetzt außerhalb des Jura-Unterforums nicht wiederholen will (und auch nicht auswendig zitieren kann), welche mir aber interessant erschien, weil sie weniger an den jeweiligen „Ort“ gebunden, also nicht so „ortsfest“ war und damals – mit etwas Geschick – breists sogar Nacktwanderungen ermöglichte.

Noch ein Nebenbei:
Vielfach haben z.B. Touristen aus Deutschland verständlicherweise kein Lust langwierig gegen ein Knöllchen, das sie sich z.B. beim Nacktbaden in den Niederlanden eingefangen haben, juristisch vorzugehen. Das kann ja auch nicht nur nervig sein, sondern auch viel Zeit kosten. Hier ist es jedoch in jedem Falle ratsam, sich auch dann, wenn keine Mitgliedschaft in der NFN, INF o.ä. besteht, an die NFN zu wenden, damit das dann wenigstens in deren Listen eingeht.

Alle Grüße
michael regenmacher

Ps.: Es hat übrigens auch schon sehr viel Knöllchen gegeben, die - mit Hilfe der NFN - nach richterlicher Prüfung zurückgenommen werden mussten.
.

Beitrag 31 Juli 2013 15:44 
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