CH/SG: Unterschiedliche Auffassungen bei Polizei und Staatsanwaltschaft

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Puistola
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CH/SG: Unterschiedliche Auffassungen bei Polizei und Staatsanwaltschaft

Beitrag von Puistola » 24 Oktober 2013 11:22

Das St. Galler Tagblatt und einige seiner Kopfblätter berichten online und Print vom "Nacktwanderer von Neuchlen", der mir wohlbekannt ist:

Bei der Polizei stehen die Zeichen auf Entspannung.
http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschwe ... 92,3580197
Anzeigen seien seit Jahren keine eingegangen, sagt Kapo-Medienchef Hanspeter Krüsi. «Vielleicht haben sich die Leute etwas an den Anblick gewöhnt und melden sich nicht mehr bei der Polizei.»
Das ist gut so.

Giftiger gibt sich die Staatsanwaltschaft:
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgal ... 90,3580164
Falls eine Anzeige gegen Nacktwanderer einginge, müsste man dies nach Artikel 8 des Übertretungsstrafgesetzes prüfen, sagt Natalie Häusler, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft. Unter diesen Artikel fallen Tatbestände, bei denen es um «mutwillige Belästigung» gehe.
Aber die Anzeigen gingen ja bei der Polizei ein ... :wink:

Puistola

chrecht

Wieso nicht
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Beitrag von Wieso nicht » 08 Januar 2014 19:55

Früher sind Leute wg. Schwulitäten ins Loch gesteckt worden. Das ist heute alles hübsch legal.

Nur wir armen Nacktseinwollende werden immernoch wie anno tausendjähriges Reich verfolgt, obwohl oder gerade weil es eigentlich gar kein Verbot gibt.

Wer soll das verstehen?

norbert
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Beitrag von norbert » 09 Januar 2014 13:19

Du kannst aber Homosexualität und Nacktwandern nicht in einen Topf werfen.

Homosexualität ist heute in den meißten Ländern legal, und das ist doch auch gut so.

Die Rechtslage um das Nacktwandern und andere Nacktivitäten ist leider sehr schwammig.

Schlimm finde ich auch dieses Zitat:
"So legt der Mann unbeirrt seine Kilometer zurück und Frau bleibt nur, die Richtung zu ändern, um ein direktes Zusammentreffen zu vermeiden."

Das ist doch keine seriöse Berichterstattung einer Zeitung.
Was würde denn bei einem "direkten Zusammentreffen" mit "Frau" passieren? Stirbt "Frau" dann? Erstarrt sie zur Salzsäule?
Nicht erwähnt in diesem Artikel, was mit Kindern und anderen Männern passieren könnte.

Das man sich freundlich grüßt und weitergeht, der eine oder andere bei einer solchen Begegnung vielleicht überrascht schmunzelt, kann sich dieser Schreiber wohl nicht vorstellen.

Statt seriös zu berichten, gibt hier einer seine eigene abschätzige Meinung kund:

"Nun, die Begegnung mit einem Nacktwanderer ist sehr gewöhnungsbedürftig, um nicht zu sagen unappetitlich. Und unheimlich, wenn Frau ihm alleine begegnet."

Grauenvoll, solches geschreibsel!

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Aria
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Beitrag von Aria » 09 Januar 2014 14:48

norbert hat geschrieben:Du kannst aber Homosexualität und Nacktwandern nicht in einen Topf werfen.

Homosexualität ist heute in den meißten Ländern legal, und das ist doch auch gut so.
Aber erstaunlich ist es schon, dass in Russland, wo Nudismus traditionell positiv gesehen, dies für die Homosexualität nicht gilt. In Deutschland sind aber die Verhältnisse gerade umgekehrt. Hat jemand eine Erklärung für?

Klaus_59
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Beitrag von Klaus_59 » 09 Januar 2014 17:43

Aria hat geschrieben:Aber erstaunlich ist es schon, dass in Russland, wo Nudismus traditionell positiv gesehen, dies für die Homosexualität nicht gilt. In Deutschland sind aber die Verhältnisse gerade umgekehrt. Hat jemand eine Erklärung für?
Ja. Homosexualität und Nudismus haben nicht das geringste miteinander zu tun. Wenn sich in einem Land das Eine besser etabliert hat und in einem anderen Land das Andere, dann gibt es halt diesen Unterschied, weil zwischen beiden Dingen keine Verbindung besteht.

Tim007
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Beitrag von Tim007 » 09 Januar 2014 20:26

Natürlich hast Du recht, Klaus.

Mit einer Einschränkung:
Von einer liberalen Gesellschaft kann in der Regel erwartet werden, dass sie mit Verboten zurückhaltender ist als eine "archaische".

Wieso nicht
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Beitrag von Wieso nicht » 09 Januar 2014 20:29

Ich wollte Homosexualität und Nacktwandern auch nicht vergleichen. Beides scheint aber von vielen Menschen ( ich nehme an, auch heute noch ), als etwas schlechtes angesehen zu werden.

Rechtlich gesehen hat sich die Situation der einen Partei dramatisch verbessert, die der anderen Partei ist bestenfalls gleich geblieben.

Die eine Partei wurde, soweit ich weiß, mit ziemlich drakonischen Strafen bedroht. Das hat sich quasi in Luft bzw. Wohlgefallen aufgelöst. Bei uns gab es ( wiederum soweit ich weiß ) nie eine derartig harte Verfolgung, dafür ist aber auch nichts besser geworden.

Ich habe aber den Eindruck, daß allgemein eine freiheitlichere Gesinnung in der Gesellschaft vorhanden ist; diese ist an uns ziemlich spurlos vorübergegangen. Das finde ich schade.

@norbert: Die Medien sind eine Ansammlung von vom Mainstream Getriebener, die sich hauptsächlich um den Verkauf ihrer Machwerke sorgen müssen. Und wir sind eine Minderheit. Bei dieser Petition für FKK in Italien haben sich gerade mal 1500 Leute eingetragen.

Wieso nicht
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Beitrag von Wieso nicht » 09 Januar 2014 20:38

Die Medien sind natürlich auch vom Großkapital gekauft, aber das gehört nicht hierher.

Klaus_59
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Beitrag von Klaus_59 » 09 Januar 2014 22:35

Du musst aber auch sehen, dass die Homosexuellen gekämpft haben. Das taten die Nudisten nicht. Vielleicht muss erst einer erschlagen werden, damit sich was tut ... :shock:

Wieso nicht
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Beitrag von Wieso nicht » 10 Januar 2014 18:09

Ja, stimmt schon, manche von denen mußten ganz schön Federn lassen, als sie sich zur Unzeit geoutet haben. Ich habe sowieso den Eindruck, daß in der Politikergilde reichlich Homosexuelle dabei sind. Da sind die natürlich in der passenden Stellung, ihre Interessen durchzusetzen. Sowas könnten wir auch gebrauchen.

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Aria
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Beitrag von Aria » 10 Januar 2014 19:42

Klaus_59 hat geschrieben:
Aria hat geschrieben:Aber erstaunlich ist es schon, dass in Russland, wo Nudismus traditionell positiv gesehen, dies für die Homosexualität nicht gilt. In Deutschland sind aber die Verhältnisse gerade umgekehrt. Hat jemand eine Erklärung für?
Ja. Homosexualität und Nudismus haben nicht das geringste miteinander zu tun. Wenn sich in einem Land das Eine besser etabliert hat und in einem anderen Land das Andere, dann gibt es halt diesen Unterschied, weil zwischen beiden Dingen keine Verbindung besteht.
Das denke ich nicht, denn in beiden Fällen geht es um die Ausgrenzung von Minderheiten. Und obwohl die Homosexuellen mehr polarisieren als Nudisten, haben sie es bei uns in der gesellschaftlichen Anerkennung weiter geschafft. Nicht so in Russland, wo die Widerstände immer noch so groß sind wie bei uns vor 50 Jahren. Dafür muss es Gründe geben.

Klaus_59 hat geschrieben:Du musst aber auch sehen, dass die Homosexuellen gekämpft haben. Das taten die Nudisten nicht.
Wobei man sagen muss, dass die ersten Nudisten Ende des 19ten, Anfang des 20ten schon gekämpft haben – siehe Ungewitter, Koch und andere. Aber wir heutigen kämpfen nicht. Selbst wenn jemand doch etwas mehr Mut zeigt (z.B. Nacktwanderer) werden sie von eigenen Leuten mit dem Argument zurückgepfiffen, sie schadeten mit ihrem Verhalten der ganzen Bewegung.

Erst jetzt, nachdem sich die Nacktwanderer mehr und mehr durchsetzen, ändert sich die Stimmung. Allerdings nicht überall: Auch bei uns im Forum gibt es welche, die am liebsten weiter nur in den abgezirkelten Bereichen nackt und unter sich bleiben wollen.

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Aria
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Beitrag von Aria » 10 Januar 2014 19:48

Wieso nicht hat geschrieben:Die Medien sind natürlich auch vom Großkapital gekauft, aber das gehört nicht hierher.
Medien sind in den Demokratien nur ein Spiegel der Gesellschaft, d.h. Leute lesen und sehen die Medien, die ihre Meinung bestätigen - andere konsumieren sie einfach nicht. Und selbst wenn es so wäre wie du sagst: Dem Großkapital ist es egal, von wem seine Medien gekauft werden.

Wieso nicht
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Beitrag von Wieso nicht » 11 Januar 2014 12:42

Von Werbung und Product-Placement hast du wohl noch nichts gehört, allgemein Manipulation?

Die Medien formen die Gesellschaft entscheidend.

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Aria
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Beitrag von Aria » 12 Januar 2014 15:40

Wieso nicht hat geschrieben:Die Medien formen die Gesellschaft entscheidend.
Nein, die Gesellschaft formt die Medien und hat deswegen exakt die, die der jeweiligen Gesellschaft entsprechen. Werden andere Medien – womöglich mit der Absicht, irgendeine Idee oder Sache zu pushen - publiziert, aber nicht konsumiert, gehen sie schon nach kurzer Zeit ein. Das ist im Kapitalismus immer so.

Wieso nicht
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Beitrag von Wieso nicht » 13 Januar 2014 08:29

@Aria:

Was bringt dich eigentlich zu der Überzeugung, daß Russen FKKler sind?


Die Gesellschaft formt die Medien, indem sie nur oder hauptsächlich Medieninhalte konsumiert, die ihr gefällt.

Die Medien formen aber mittels Manipulation auch die Gesellschaft. Da sich viele Medien (Fernsehen, Rundfunk, Printmedienn und damit auch große Teile des Internet) in der Hand finanzstarker Personen und Konzerne befinden, formen letztendlich diese die Gesellschaft.

1. Hat nämlich niemand die Gelegenheit, auf freie Medien zuzugreifen, da es so etwas fast nicht gibt. Man ist also dieser Dauerberieselung ausgesetzt, außer man ist bereit, als Totalverweigerer gesellschaftliche Isolation hinzunehmen.
2. Sind Medien, die manipulierende Inhalte verbreiten, deswegen nicht unattraktiv. Die Verkaufszahlen der Bildzeitung, die unbestritten zu den übelsten Presseorganen zählen und stets manipulierend in das Alltagsgeschehen einwirken, nehme ich hier als Beweis.

Bisher habe ich nur von Manipulation gesprochen, die nicht explizit ein Produkt, das verkauft werden soll, zum Inhalt haben.

3. Ist auch kommerzielle Werbung dank eingesetzter Werbemilliarden kein Weggucker.

Das ist sicher nicht alles, was es dazu zu sagen gibt. Aber ich habe vorerst genug.

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