Ist Nacktheit ein natürlicher Zustand (demzufolge Textilen unnatürlich)?

Alles rund um das Thema FKK
Gesperrt
Benutzeravatar
Nackidei
Beiträge: 2346
Registriert: 31 Juli 2009 22:27
Wohnort: Außerhalb eines FKK-Geheges (Freigänger)

Beitrag von Nackidei » 10 November 2014 12:57

Klaus_59 hat geschrieben:
Nackidei hat geschrieben:Also haben sowohl Nackte als auch Textiler eine Macke. Aber wer hat die größere?
Soll es eine Normabweichung sein, sind die Nackten die mit der Macke. Soll es eine Unvernunft sein, sind es die Texies.
Ich denke nicht, dass es unvernünftig ist sich etwas anzuziehen, wenn man sich dann wohler fühlt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob Mann/Frau sich etwas anzieht, weil es so "üblich" ist, die gesellschaftliche Norm es also so verlangt, das eigene Schamgefühl keine Nacktheit in der Öffentlichkeit zulässt, Mann/Frau Wert auf Äußerlichkeiten legt (den 150,- Euro Designer-Bikini), Angst vor heimliches Fotografieren oder Angst davor hat, den Chef oder Kollegen nackt zu begegnen.
Von Unvernunft kann man in all diesen Fällen nicht sprechen. Unvernünftig ist, wenn ich mich trotz Warnung der zuständigen Behörde mit Schlittschuhen auf zu dünnes Eis wage oder trotz starken Gegenverkehr in einer unübersichtlichen Kurve mit meinem PKW überhole also Dinge tue, die für mich oder meine Mitmenschen gefährlich oder gesundheitsschädigend sein könnten.
Trifft das für Badesachen tragende Menschen zu? Ich finde, alle FKKler, Naturisten und Freizeitnackte sollten ihrer textilen Umwelt ein wenig offener gegenübertreten und sich nicht ständig darüber Gedanken machen, ob und warum es unnatürlich ist, Badebekleidung oder überhaupt Kleidung zu tragen. Wer hier als Außenstehender einmal durchs Forum "blättert" erhält recht schnell den Eindruck, dass hier Front gemacht wird gegen die Textilwelt und mit fadenscheinigen und pseudowissenschaftlichen Begründungen einzig das Nacktsein als "Normal" anerkannt wird.
FKK bzw. Naturismus ist für den einen eine Lebenseinstellung und für den anderen ein Hobby dem er/sie nachgeht, wenn es gerade passt. FKK bzw. Naturismus ist aber ganz bestimmt nicht die einzig wahre Lebensform nach der jeder Mensch sein Leben zu gestalten hat

Klaus_59
Beiträge: 5424
Registriert: 05 März 2007 18:04

Beitrag von Klaus_59 » 10 November 2014 18:07

@Nackidei

Natürlich kann es vernünftig sein, Kleidung zu tragen. Ich trage ja auch oft welche und wenn ich sie wegen Umwelteinflüssen brauche, fühle ich mich darin sogar wohler als ohne. Dass sich Menschen aber in Kleidung wohler fühlen als ohne, wenn sie eigentlich unnötig wäre, resultiert ja bereits aus der menschlichen Unvernunft. Vielleicht ließe sich auch noch ein passenderes Wort finden? Ich denke aber, du hast verstanden, was ich sagen wollte.
Nackidei hat geschrieben:Wer hier als Außenstehender einmal durchs Forum "blättert" erhält recht schnell den Eindruck, dass hier Front gemacht wird gegen die Textilwelt ...
Oh Wunder! Wer hätte das in einem FKK-Forum erwartet?

Benutzeravatar
kristofnrw
Beiträge: 98
Registriert: 21 Mai 2011 00:22

Beitrag von kristofnrw » 10 November 2014 18:22

@Nackidei: Undiplomatische Hetze gegen Textiler ist sicherlich kontraproduktiv. Aber ich sehe das wie Klaus59. Wir sollten in diesem Forum schon ein bisschen Werbung machen (dürfen) für die sehr schönen Seiten des Nacktseins.

Campingliesel
Beiträge: 1241
Registriert: 01 September 2005 20:44
Wohnort: Gunzenhausen
Kontaktdaten:

Beitrag von Campingliesel » 10 November 2014 19:55

an Aria: Naja, wenn Du meinst! Trotzdem sollte man zeitgenössische Romane und Briefe nicht verallgemeinern. Ich lese auch gerne zeitgenössische Romane. Aber auch wenn darin der Eindruck entstehen mag, daß das Leben der Menschen bei allen so ausgesehen haben könnte, wie das da beschrieben wurde, aber das stimmt vermutlich nicht. Du selbst hast geschrieben :
Was sich früher – wie gezeigt – nur sehr reiche Leute leisten konnten, konnten sich nun fast alle leisten
Betrifft das nun fast alle Deutschen oder fast alle Europäer oder wen denn nun?

Heute gibt es auch vieles zu kaufen, wo man annimmt, daß es sich viele oder fast alle leisten könnten, was aber längst nicht alle haben. Dinge wie Auto, Telefon, handy, TV, PC usw haben ja "fast" alle, wie man annimmt, aber trotzdem gibt es immer noch Menschen, die das alles nicht haben und sogar noch nie was davon gehört haben. Kommt halt darauf an, welche Bevölkerungsgruppen man damit meint. Und Du hast nicht gesagt, ob Du die ganze Weltbevölkerung oder die europäische oder welche sonst Du meinst.

ein Beispiel: Zwischen 1969 und 1972 waren insgesamt 12 Menschen auf dem Mond. Das ist nun schon 45 (!) Jahre her. Trotzdem kann wohl keiner von uns behaupten, daß das trotz unserer schnelllebigen Zeit zur Normalität für Jedermann geworden ist und wir alle einfach mal so auf den Mond fliegen könnten. Wenn aber irgendjemand in 300 oder 500 Jahren davon liest, wäre es ja auch totaler Unsinn, wenn er dann denkt, daß das schon in unserer Zeit für jeden erschwinglich gewesen sein könnte, falls das bis dahin möglich ist. Die Erfindung des Spiegels kann man zwar nicht mit der Mondlandung vergleichen, aber für die früheren Menschen waren viele Erfindungen genauso unvorstellbar wie eine Mondlandung.

Und nee! ich erlaube es nicht. Hier gibts soviel Thema-Entgleisungen, daß es darauf nun auch nicht mehr ankommt. Außerdem würde allen Möchte-Gern-Wissenschaftlern hier ja sonst der SChreibstoff ausgehen. so wie gerade in diesem Thread. Nun sind wir schon auf Seite 17, obwohl die Frage schon vor einigen Seiten eigentlich geklärt war. Zumindest ist es für einige schon längst klar. Nur für Dich vielleicht noch nicht.

Gruß Campingliesel

Eule
Beiträge: 1711
Registriert: 08 Juli 2009 21:39
Wohnort: Wegberg
Kontaktdaten:

Was ist normal?

Beitrag von Eule » 10 November 2014 22:39

Eine Diskussion mit dem Begriff "normal" ist stets zum Scheitern verurteilt. Denn der Begriff "normal" leitet sich vom Wortstamm her vom Begriff "Norm" ab. Im Verhalten ist ein "normales" Verhalten kein "normgerechtes" Verhalten im Sinne von "so genau festgelegt". Es gibt bei der Grenzziehung für die Bezeichnung eines "normalen Verhaltens" immer eine Grenze von ... bis. Soll bedeuten, was für den Einen noch normal ist kann für den Anderen bereits als außerhalb der Norm liegend angesehen werden.

@ Aria
Fass den Begriff "Spiegel" nicht zu kurz. Ein Spiegel muss nicht aus Glas bestehen, auch wenn dieses Material das am häufigsten benutze Material für Spiegel ist, jetzt hier bei uns.

Die Aussage von Campingliesel,
Wie lange soll denn das nun noch weitergehen? Ich dachte, es war schon längst alles geklärt?
stimmt. Die Frage,
Ist Nacktheit ein natürlicher Zustand (demzufolge Textilien unnatürlich)?
ist umfassend abgearbeitet worden. ich sehe hier auch keinen Klärungsbedarf mehr.

Die Frage nach der Mode und der Fähigkeit des Menschen, sein Spiegelbild zu sehen, spielt in dieser Fragestellung keine Rolle. Denn bei der Frage, ob die Nacktheit des Menschen ein natürlicher Zustand sei oder nicht, kommt es nicht darauf an, ob der Mensch sich selbst sehen kann oder nicht. Dieses trifft ebenso auf die Frage zu, ob Textilien unnatürlich seien oder nicht.

Benutzeravatar
Zett
Beiträge: 1357
Registriert: 29 März 2010 17:40
Wohnort: Osterland, Sachsen

Beitrag von Zett » 11 November 2014 02:04

Und wer noch ein klein wenig seinen Hals bewegen kann, sieht ohnehin das meiste von seinem Körper (ups, jetzt hab ich die Fettsüchtigen vergessen). Aber der wichtigste Spiegel - und den gibt es schon etwas länger - ist die Reaktion der anderen, an der man mehr ablesen kann als am besten Glas-Spiegel.

Benutzeravatar
kristofnrw
Beiträge: 98
Registriert: 21 Mai 2011 00:22

Beitrag von kristofnrw » 11 November 2014 10:27

Keine Ahnung, Zett, ob die Reaktion der Anderen "der wichtigste Spiegel" ist. Denn auch da reichen die Reaktionen ja von (vermeintlich) "objektiv" bis "subjektiv", von "natürlich" bis "unnatürlich". Um weiterhin der FKK o.Ä. das Wort zu reden: Man sollte sich - zumal als Neuling - nicht zu leicht einschüchtern lassen. Zumindest spiegelt die Reaktion von ebenfalls Nackten, wenn es denn überhaupt mal eine gibt, keinen sozialen Status wider.

Benutzeravatar
Zett
Beiträge: 1357
Registriert: 29 März 2010 17:40
Wohnort: Osterland, Sachsen

Beitrag von Zett » 11 November 2014 18:27

Also ich habe geschrieben: "der wichtigste Spiegel", nicht »das Wichtigste überhaupt". Es ging um Spiegel. Und da glaube ich schon, dass den meisten Menschen die Reaktionen der anderen - vor allem von Bekannten oder sympathischen Fremden - meist wichtiger erscheinen als das einfache Spiegelbild. Mehr habe ich nicht gesagt und mehr wollte ich auch nicht sagen. Wenn Du nun mehr hineininterpretierst ("Man sollte sich nicht einschüchtern lassen"), hat das mit meiner Aussage nichts zu tun.

Benutzeravatar
ynda
Beiträge: 108
Registriert: 27 Juli 2010 21:27
Wohnort: Niestetal

Beitrag von ynda » 11 November 2014 22:06

Ich finde schon daß die Reaktion anderer ein wichtiger "Spiegel" sein kann. Natürlich nur die Reaktion derer denen ich vertraue, also guten Freunden z.B.
Von denen erwarte ich auch, daß sie mir den "Spiegel" vorhalten, mir Dinge über und von mir sagen, die mir selbst nicht auffallen und Kritik oder Lob aussprechen.
Aber das hat natürlich nichts mit Kleidung oder keine Kleidung zu tun, jedenfalls nur sehr wenig. :wink:
So, jetzt werd ich meine natürliche Nacktheit verhüllen, mir was nettes anziehen, sogar eine Krawatte umbinden und noch mal ausgehen. 8) :D

Benutzeravatar
Aria
Beiträge: 2986
Registriert: 24 Januar 2012 17:10
Wohnort: München

Beitrag von Aria » 12 November 2014 12:08

ynda hat geschrieben:Ich finde schon daß die Reaktion anderer ein wichtiger "Spiegel" sein kann.
Eben. Deshalb habe ich am 08 November 2014 11:38 auch geschrieben:
Aria hat geschrieben:Erst seit 200 oder so Jahren, können sich fast alle Menschen einen Spiegel leisten. Vorher wussten die meisten nicht genau, wie sie aussahen: Sie mussten sich ihr Selbstbild aus den Reaktionen anderer zusammenreimen.
Eule hat geschrieben:Die Frage nach der Mode und der Fähigkeit des Menschen, sein Spiegelbild zu sehen, spielt in dieser Fragestellung keine Rolle. Denn bei der Frage, ob die Nacktheit des Menschen ein natürlicher Zustand sei oder nicht, kommt es nicht darauf an, ob der Mensch sich selbst sehen kann oder nicht.
Du irrst: Bei der Frage nach der Nacktheit, spielt die Scham eine entscheidende Rolle. Und die Scham ist im Wesentlichen die Furcht oder das Wissen vor den möglichen Reaktionen anderer. Mit anderen Worten: Nicht ich selbst entscheide, ob meine Nacktheit als natürlich zu gelten hat, sondern die anderen – es sei denn, ich setze mich über das, was andere meinen, hinweg, in dem ich meine Scham überwinde.

Objektiv gesehen ist Nacktheit ganz klar natürlich – darüber kann es wohl kaum zwei verschiedene Meinungen geben, wir werden schließlich nackt geboren. Aber sobald ein Tabu ins Spiel kommt, hat die Objektivität ausgespielt: Es regiert nur noch Subjektivität, d.h. die von Menschen geschaffenen Regeln. Und nach diesen Regeln ist es zumindest bei uns natürlich, sich in der Öffentlichkeit bekleidet zu begegnen. Dem ist schon so lange so, dass man zu recht sagen kann: Kleidung ist auch natürlich.

Tim007
Beiträge: 7783
Registriert: 28 November 2005 23:58
Wohnort: Bremen

Beitrag von Tim007 » 12 November 2014 13:19

Aria hat geschrieben:Vorher wussten die meisten nicht genau, wie sie aussahen: Sie mussten sich ihr Selbstbild aus den Reaktionen anderer zusammenreimen.
Wobei ynda von der Gegenwart schreibt.
Damals mag die Reaktion der Umwelt wichtig gewesen sein, weil es (angeblich) keine verfügbaren Spiegel gab. (Was ich nicht glaube.)

Heute ist die Reaktion der Umwelt aber für viele (alle?) trotzdem wichtig. Trotz Spiegel.

Wer einmal das schreckliche Schicksal ertragen musste, seine Partnerin beim Kleider- oder (schlimmer noch) Bikinikauf zu begleiten, weiß, dass Spiegel die Reaktion der "Umwelt" nicht zu ersetzen vermögen



Ich erinnere mich an

Benutzeravatar
Puistola
Beiträge: 5271
Registriert: 16 Oktober 2007 20:48
Wohnort: Nicht weit vom Alpstein

Beitrag von Puistola » 12 November 2014 14:49

Aria hat geschrieben:Es regiert nur noch Subjektivität, d.h. die von Menschen geschaffenen Regeln. Und nach diesen Regeln ist es zumindest bei uns natürlich, sich in der Öffentlichkeit bekleidet zu begegnen. Dem ist schon so lange so, dass man zu recht sagen kann: Kleidung ist auch natürlich.
Nicht "natürlich" sondern "normal", also der gesellschaftlichen Norm entsprechend.
Das scheint mir doch ein erheblicher Unterschied.

Puistola

Campingliesel
Beiträge: 1241
Registriert: 01 September 2005 20:44
Wohnort: Gunzenhausen
Kontaktdaten:

Beitrag von Campingliesel » 12 November 2014 16:01

an Tim007: Wieso soll das so ein schreckliches SChicksal sein, seine Partnerin beim Kleider- oder Bikinikauf zu begleiten? Meine Partner hatten damit noch nie ein Problem. Schon deshalb nicht, weil ich dazu nicht stundenlang brauche. Und weil ich auch keine extravaganten Wünsche habe. Mein jetziger Freund kauft sogar sehr gerne mit mir und für mich ein, wobei eher ich diejenige bin, die mal auf die Bremse tritt und sagt: Stop! Es reicht jetzt.

Was die Reaktion der anderen angeht: Nehm ich nicht mehr so wichtig, weil das meistens seeehr subjektiv ist und die Leute meistens von sich selbst ausgehen. Da erzählt mir jeder was anderes und meistens das, was der/diejenige am liebsten selber hat. Aber ob das zu mir paßt, ist noch immer die andere Frage. Oder ob ich mich damit wohlfühle.

Gruß Campingliesel

Tim007
Beiträge: 7783
Registriert: 28 November 2005 23:58
Wohnort: Bremen

Beitrag von Tim007 » 12 November 2014 16:45

Campingliesel hat geschrieben:an Tim007: Wieso soll das so ein schreckliches SChicksal sein, seine Partnerin beim Kleider- oder Bikinikauf zu begleiten?
Das war nicht ganz ernst gemeint, Liesel.

Kennst Du nicht die vielen Sketche, die sich diesem Thema widmen? Oder die Männer, die im Kaufhaus mit dumpfen Augen und vollgetütet auf ihre Herzallerliebste warten?

Ich kenne das Problem mit meiner Frau glücklicherweise nicht.
(Sie nimmt mich gar nicht mehr mit. :D )

Benutzeravatar
hajo
Beiträge: 3444
Registriert: 19 November 2002 01:05
Wohnort: Paderborn
Kontaktdaten:

Beitrag von hajo » 12 November 2014 18:10

Tim007 hat geschrieben:Ich kenne das Problem mit meiner Frau glücklicherweise nicht.
(Sie nimmt mich gar nicht mehr mit. :D )
Dieses Glück erfahre ich mittlerweile auch...

Es gibt eben Dinge, die machen dann DOCH allein mehr Spaß als zu Zweit. :wink:

Gesperrt