"Nackter Wanderer" Brite verliert Rechtsstreit um Nacktheit als Menschenrecht

In diesem Forum werden Rechtsfragen bezüglich der FKK diskutiert. Bitte beachtet, daß dies absolut unverbindlich ist.
Calcit
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Beitrag von Calcit » 29 Oktober 2014 11:52

@Liberté 53: Danke für Zitieren des vollständigen Artikels, ich hatte damals nur einen Extrakt davon gebracht:
Calcit, 20140107, hat geschrieben: ... Hier ein erfrischender Kommentar einer Frau, noch eine mehr, die nicht vor Mordlust trieft:
The Guardian, Comment is free, Daisy Buchanan, 20130107, hat geschrieben: Good on the Naked Rambler – more public nudity would be a good thing
Stephen Gough is back in jail. Embracing his activism might just do wonders for our society's unhealthy attitude to flesh. ... On Monday, Stephen Gough was jailed for 16 months after he breached an asbo intended to make him cover up in public. ... The British legal system maintains that Gough's nudity is not for mass consumption. But why, in 2014, is so much money being spent on keeping his body out of sight? His court records state there is nothing disorderly about his behaviour – it's just about, as his lawyer pointed out in the autumn, "people's reaction" to that behaviour. ... Initially, I thought that the laws "protecting" us from Gough's body had a wider purpose. After all, if he's allowed to get naked, we might all start doing it, and no one wants that. But the more I think about it, the more I am convinced that the widespread adoption of naturism might solve our problem with nudity. If we stopped seeing our bodies as either a source of shame, or something to show off, we might become healthier, happier human beings. Public nudity could prove revolutionary. ... Gough has not chosen to go nude in order to invite us to comment on his body. He is reminding us that we are all naked under our clothes, and that no individual's body should warrant particularly close inspection – but our collective attitude to nudity certainly does.
http://www.theguardian.com/commentisfre ... phen-gough
Da bezweifelt außer mir noch jemand die Panik der Mächtigen, daß, wenn man Stephen Gough laufen läßt, als nächstes die Queen beim täglichen Nacktjoggen um den Buckingham Palace gesichtet wird. ...
http://fkk-freun.de/viewtopic.php?t=12456&start=247

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guenni
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Re: Nacktwandern kein Menschenrecht??

Beitrag von guenni » 29 Oktober 2014 11:56

chris-nrw hat geschrieben:Moin,
trauriger Rückschritt.

Stattdessen werden Demos von 4000 gewaltbereiten Hooligans mitten in Köln erlaubt. Recht auf Meinungsfreiheit.

Könnte man die Treads eventuell nach FKK und Recht verschieben?

Chris
bitte nicht äpfel mit birnen vergleichen!

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Liberté 53
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Re: Angst der Neulinge?

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 12:05

Mannix007 hat geschrieben: Sorry...trotz Such-Funktion habe ich den von Dir erwähnten Thread NICHT gefunden.
Da kann ich helfen, habe inzwischen auch dort geschrieben:

http://fkk-freun.de/viewtopic.php?p=293 ... 929#293922

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Puistola
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Beitrag von Puistola » 29 Oktober 2014 15:19

Tim007 hat geschrieben: Damit erreicht er also genau das Gegenteil dessen, was wünschenswert ist. (Daher auch meine Befürchtung, dass auch Deine, Puistola, gut gemeinte Aktion nach hinten los geht.)
Ich habe bisher mehrere Nacktheits-Verfahren und -Prozesse
gewonnen, aber kein einziges in eigener Sache. Den Appenzeller
Nacktwanderprozess hab ich nachdem die Staatsanwaltschaft
Berufung einlegte, an einen Rechtsanwalt abgetreten.
Ich berichte davon, werde aber keinen Einfluss nehmen.

Puistola

Tim007
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Beitrag von Tim007 » 29 Oktober 2014 16:10

Meine besten Wünsche begleiten das Verfahren.

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Wäre

Beitrag von Planer » 29 Oktober 2014 17:04

es ein Salafist, dann würde man ihm als "unser Kind" bezeichnen und mit liebevollen Worten versuchen, ihn auf den rechten Weg zurück zu bringen. Aber hat keine Geiseln geköpft; deshalb muss er 7 Jahre in den Knast.
Es ist schade, dass die EU-Richter nicht gerecht, allenfalls selbstgerecht sind.

Andreas u. Uta
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Beitrag von Andreas u. Uta » 29 Oktober 2014 17:16

Das Urteil wird Konsequenzen für uns alle haben. Die Behörden werden sich nun noch mehr in Ihrer Haltung bestärkt sehen gegen nackte Menschen vor zu gehen.

Andreas

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Liberté 53
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eher keine Konsquenzen in D

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 17:33

Andreas u. Uta hat geschrieben:Das Urteil wird Konsequenzen für uns alle haben. Die Behörden werden sich nun noch mehr in Ihrer Haltung bestärkt sehen gegen nackte Menschen vor zu gehen.

Andreas
Glaube ich nicht. Es ist sicherlich nicht hilfreich, weil die Presse es auch völlig entstellt widergibt, wie meist bei Gerichtsurteilen.
Regenmacher hat dazu richtigerweise folgendes geschrieben (ich vermittele zwischen den beiden Threads):
http://fkk-freun.de/viewtopic.php?t=124 ... 4ce43f3929

Tim007
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Beitrag von Tim007 » 29 Oktober 2014 17:42

Ich habe das lange Urteil noch nicht lgründlich lesen können. Zwei Informationen meine ich ihm allerdings entnehmen zu können:

Die Entscheidung erging "einstimmig".
Die Rechtsverteidigung war wohl "mangelhaft". Oder was heißt das:
The applicant must accordingly establish that judicial review proceedings were inadequate and ineffective in the particular circumstances of his case or that there existed special circumstances absolving him or her from the requirement to exhaust (see paragraph 139 above).

Andreas u. Uta
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Re: eher keine Konsquenzen in D

Beitrag von Andreas u. Uta » 29 Oktober 2014 18:48

Liberté 53 hat geschrieben:
Andreas u. Uta hat geschrieben:Das Urteil wird Konsequenzen für uns alle haben. Die Behörden werden sich nun noch mehr in Ihrer Haltung bestärkt sehen gegen nackte Menschen vor zu gehen.

Andreas
Glaube ich nicht....
Das Urteil vom OLG Karlsruhe, NStZ-RR 2000., 309 ff., Aktz: 2 Ss 166/99 hat es zumindest in alle deutschen Polizeihandbücher geschafft. So ist das Urteil des EGMR für die Behörden erst recht ein Freispiel, gegen uns vor zu gehen.

Der unbekleidete Aufenthalt am Baggersee wohl bald Geschichte.

Andreas

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Liberté 53
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Interpretation

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 19:05

Tim007 hat geschrieben: Die Rechtsverteidigung war wohl "mangelhaft". Oder was heißt das:
The applicant must accordingly establish that judicial review proceedings were inadequate and ineffective in the particular circumstances of his case or that there existed special circumstances absolving him or her from the requirement to exhaust (see paragraph 139 above).
Stephen hatte neben den Rügen der Verletzung seines Rechts auf Meinungsfreiheit und freie Entfaltung seiner Persönlichkeit auch eine unangemessene Behandlung im Gefängnis geltend gemacht. Dazu wurde offenbar nicht in dem EGMR ausreichender Weise vorgetragen, so dass diese Rüge als unzulässig verworden wurde. Ob dies ein anwaltlicher Fehler war, kann ich nicht beurteilen, denn der Anwalt hat diese Rüge sich offenbar nicht zu eigen gemacht, daher auch nicht vertreten, warum, wissen die Götter.

aus dem Urteil:
B. The alleged violations of Articles 5 § 1 and 7 § 1 of the Convention

143. As noted above, in his first letter the applicant invoked Articles 5 § 1 (guaranteeing the right to liberty and security) and 7 § 1 (prohibiting punishment without law) in respect of his repeated arrest, prosecution, conviction and sentence, without providing further details of the precise nature of the complaints. He did not reiterate these complaints in the application form subsequently lodged by his solicitors. Although the Court sought written observations on the complaints under these Articles from the parties, the applicant did not subsequently make any relevant written submissions.

144. The applicant, who was legally represented, chose not to pursue the complaints either in his application form or in his written submissions. In the circumstances, the Court sees no reason to examine the complaints.

Mit deutschen Worten: Er hat nicht dargetan, dass er den Rechtsweg in UK ausgeschöpft hat, was Verfahrensvoraussetzung für den EGMR ist.

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Re: eher keine Konsquenzen in D

Beitrag von Liberté 53 » 29 Oktober 2014 19:14

Andreas u. Uta hat geschrieben:
Das Urteil vom OLG Karlsruhe, NStZ-RR 2000., 309 ff., Aktz: 2 Ss 166/99 hat es zumindest in alle deutschen Polizeihandbücher geschafft. So ist das Urteil des EGMR für die Behörden erst recht ein Freispiel, gegen uns vor zu gehen.

Der unbekleidete Aufenthalt am Baggersee wohl bald Geschichte.

Andreas
Das ist genau das Problem, dass hier Dinge miteinander vermengt werden, die nicht zu einander passen: Der EGMR hatte nicht zu entscheiden, ob das UK-Strafrecht als solches gegen die Konvention verstößt, sondern allenfalls dessen Anwendung im konkreten Fall. UK-Strafrecht ist aber nicht identisch mit dem deutschen Strafrecht, das deutsche Behörden anwenden müssen. Ein mir nicht bekanntes Urteil eines deutschen Oberlandesgerichts, das natürlicherweise deutsches Strafrecht anwendet, ist dagegen für die deutschen Strafverfolger schon etwas, was für sie von Bedeutung sein kann. Diese wenden aber kein UK-Recht an. Merke: Juristen (und die Exekutive) sind insofern ziemlich beschränkt, nämlich auf ihr nationales Recht. (Auch EU-Recht muss in den meisten Fällen noch in nationales deutsches Recht transformiert werden, bevor es in D angewendet werden darf, und dann hat es aufgehört, "EU-Recht" zu sein).

Klar oder noch Fragen?

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Horst
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"Nackter Wanderer" Brite verliert Rechtsstreit um Nacktheit als Menschenrecht

Beitrag von Horst » 29 Oktober 2014 19:22

chris-nrw hat geschrieben:...Könnte man die Treads eventuell nach FKK und Recht verschieben? ...
Erledigt.

Gruß
Horst

Klaus_59
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Re: eher keine Konsquenzen in D

Beitrag von Klaus_59 » 29 Oktober 2014 22:53

Andreas u. Uta hat geschrieben:Der unbekleidete Aufenthalt am Baggersee wohl bald Geschichte.
Du bist ein Schwarzmaler. Dazu wird es nicht kommen.

Andreas u. Uta
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Re: eher keine Konsquenzen in D

Beitrag von Andreas u. Uta » 30 Oktober 2014 00:00

Klaus_59 hat geschrieben:
Andreas u. Uta hat geschrieben:Der unbekleidete Aufenthalt am Baggersee wohl bald Geschichte.
Du bist ein Schwarzmaler. Dazu wird es nicht kommen.
Willst du das verhindern? Nach dem Dr. N. Desaster waren wir alle der Meinung, dass irgendjemand mal ein besseres Urteil erwirken wird. Nun gab es ein Urteil und was glaubst du werden die Konsequenzen seitens der Behörden wohl sein...

Hoffnung ist etwas für Träumer.

Andreas

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